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1

Dienstag, 18. Dezember 2012, 15:20

Eigentlich alles Bestens

Liebes Forum

Dank allen, die bisher den Mut und die Kraft gehabt haben, sich hier zu offenbaren. Viele Zeilen haben mich berührt. Bewegende Worte von Herausforderungen des Lebens.

Ich bin seit 30 Jahren mit einer wunderbaren Frau verheiratet, die mich liebt und akzeptiert wie ich bin. Und seit über 1 Jahr habe ich auch einen liebevollen Partner. Wir haben gleich zu Beginn den Weg der Offenheit gewählt. Dass dies funktioniert, ist mir manchmal heute noch ein Rätsel.

Somit wäre doch eigentlich alles Bestens.

Doch seit längerer Zeit durchlebe ich selber intensive Prozess meines „ICH“. Sehr anstrengende Prozesse. Ich fühle mich erschöpft und müde durch die Beziehungen, Coming-Out, Umwelt, etc.. Meine Bisexualität und auch meine Ambivalenz zehren an meinen Kräften. Und dann ist er wieder da, der Gedanke alles stehen und liegen zu lassen und neu anzufangen und sich all den emotionalen Belastungen der Bisexualität zu entziehen. Sich endlich für eine Seite zu entscheiden. Doch dies kann ich nicht.

Liebes Forum. Wo nehmt ihr eure Kraft her, um Euch all den Herausforderungen zu stellen?

Liebe Grüsse an alle da draussen, die anders sind als die Anderen.

Joshua

2

Freitag, 21. Dezember 2012, 15:31

Lieber Joshua
Ich hatte kurze Zeit eine Beziehung zu zwei Menschen (verschiedenen Geschlechtes). Diese Zeit habe ich als eher anstrengend in Erinnerung. Liebe teilen fällt mir nicht schwer. Die Energie welche eine Beziehung beansprucht ist jedoch nicht unbegrenzt. Bei zwei Beziehungen, schien es mir, war ich auch merklich schneller am limit. Vielleicht war es auch weil ich es mir nicht gewohnt war, keine Erfahrung damit hatte und auch persönlich noch nicht soweit war, nicht damit umgehen konnte.

Für mich wurde es dann schwierig wenn mich mein Freund spüren lassen hat dass er sich eine intensivere Beziehung zu mir wünscht, dass er zu wenig Beachtung erhalten würde. Gleichzeitig war meine Frau offensichtlich sowieso schon überfordert von der Situation und wurde penibelst wenn es um die Einhaltung der ausgemachten Regeln ging. Das ganze Gebilde drohte mehrfach einzustürzen, was es dann schlussendlich auch machte. Meine Frau forderte meine ungeteilte Aufmerksamkeit und stellte mir das Ultimatum.
Ich mit meinem ambivalenten Verhalten mittendrin, die frisch gewonnene und sehr intensive Liebe zu einem Mann die wie ein offenes Fenster in eine neue Welt war, demgegenüber die langjährige, stabile Beziehung mit meiner Frau, aus der auch Kinder entstanden sind, die ich sehr lieb habe, das Leben auf diese Weise zwar immer wieder mal konvenzionell und funktional aber auch bereichernd warnahm und von der ich weiss das wir uns sehr gut ergänzen aber auch nicht richtig weiterentwickeln konnten. Schlussendlich musste ich mich zurückziehen, für eine kurze Zeit von beiden. Es war eine Erleichterung aus diesem Spannungsfeld herauszukommen, wahrscheinlich für alle beteiligten. Ich habe mich entscheiden müssen, nicht aus eigenem Bedürfnis, sondern wie gesagt aus einem äusseren. Vielleicht wegen meiner eigenen Unfähigkeit, wahrscheinlich aber war es auch der Trotz der mich dazu bewog, das Fenster in diese neue Welt nicht zu schliessen. Ich konnte nicht ertragen dass sie es mir "verbieten" wollte.

Rückblickend muss ich sagen dass ich in dieser Zeit sehr viel gelernt habe über mich, meine sozialen Kompetenzen, Liebe, Ego und Beziehung. Die wohl lehrreichste Zeit meines Lebens. Ich glaube sagen zu dürfen, sie hat mich Bereichert, ich konnte mich Entwickeln und mein Bewusstsein schärfen.

Lieber Joshua, ich verstehe nicht ganz ob diese anstrengenden Prozesse bei dir einen direkten Zusammenhang mit deiner gelebten Bisexualität hat. Du schreibst "seit längerer Zeit" das könnte auch bedeuten dass du dich längere Zeit vor der Beziehung zu deime Partner schon intensiv damit auseinandergesetzt hast. Manches ist kräfteraubed, wenn man z.b. versucht etwas nicht geschen zu lassen, also aktiv abwehrt um nicht damit konfrontiert zu werden. Das verrückte ist, (aus meiner erfahrung zumindest) unerledigte Themen kommen immer wieder, es wird immer wieder schwierig, kräfteraubend solange sie unerledigt bleiben. Du beschreibst dass du dir vorstellen könntest ein weniger anstrengendes Leben zu haben wenn du dich entscheiden würdest. Du kennst beide Seiten, kennst vor und nachteile, liebst beide Seiten. Was würde sich denn ändern wenn du dich entscheiden würdest? Bestimmt hattest du auch eine phase in deinem Leben wo du deine Bisexualität nicht gelebt hast.
War das eine unbeschwerte Zeit? Welche faktoren machten es unbeschwert ?

Ich lebe jetzt in einer schwulen Beziehng, aber ich fühle mich nachwievor bisexuell, habe immernoch ambivalete Gefühle und erlebe immer wieder emotional aufreibende Momente. Für mich ein Zustand mit dem ich lernen muss umzugehen.

Schlussendlich wünscht man sich doch nur geliebt, wahrgenommen und geborgen zu fühlen.

guru
---------- May the force be with you ----------

3

Freitag, 21. Dezember 2012, 17:01

Lieber Joshua, welche Kraft? Ich habe diese Kraft nicht. Obwohl erst seit circa 2 Jahren ich mich damit beschäftige, und wirklich intensiv eigentlich nur im letztem Jahr , fühle ich mich schon jetzt entkraftet und erschöpft. Kann an nicht anderes denken un komme kaum dazu wieder echte gute Arbeit zu leisten. Gefühle gehen hoch und runter. Gestern bin durch Zürich zwecklos gewandert , dachte lasse mich mal richtig ficken und dann springe von der Brücke, stand vor der Tür an drei (3!) Gay-Saunas und hatte schon geklingelt, lief aber wieder weg. Die Limmat sieht auch nicht wirklich gefährlich aus... Abends erreicht micht endlich ein sms von einem Mann den ich sehr Lieb habe und mir viel bedeutet aber zu selten sehe. Eine ganz liebe und hoffnungsvolle Nachricht. Ich war gleich wieder überglücklich, war am Ende des Tages sexuell voll gut drauf und habe mit meiner Frau geschlafen und gedacht: "Eigentlich alles bestens"
.. von wegen "alles bestens".. ein bisschen Kraft kommt aus dem Bi-Forum, erfahren, dass man nicht allein in dieser Zustrand ist, wie die andere damit umgehen. Unbeschwert wird es nie. So viel habe ich in der kurzen Zeit gelernt. Wie guru schreibt, müssen wir alle lernen damit umzugehen
Dir alles gute
Luca

4

Samstag, 22. Dezember 2012, 06:21

Lieber Joshua

Du lebst in einer Situation, die ich mir eigentlich wünschen würde, ich nehme aber wahr, dass Du Dich nun überfordert fühlst.

Sicher ist es nicht einfach, so etwas einzugehen, wie Ihr das alle miteinander gemacht habt. Das Leben ist doch eigenartig. Sobald man längere Zeit in einer Situation ist, auch wenn man sie sich noch so sehr gewünscht hat, scheint sich der Blick zu verengen. Man verliert den Überblick, verliert sich in Details, und Kleinigkeiten werden zu unerträglichen Lasten, man fühlt sich gefangen in einer Situation, die man doch ursprünglich angestrebt hat.

Es ist verständlich, dass daraus das Gefühl von Enge entsteht, und man den Wunsch bekommt, auszubrechen und noch einmal ganz von vorne zu beginnen zu können. Einfache und klare Verhältnisse zu schaffen.

Das Bild von der Fliege im Bierglas kommt mir dazu in den Sinn. So lange sie auf dem Rand sitzt, sieht sie, dass das ein Bierglas mit etwas Bier darin ist. Begibt sie sich aber hinein, fällt in das köstliche Nass und beginnt mit den Flügeln Schaum zu schlagen, verliert sie den Überblick und erschöpft sich. Gelingt es ihr aber, wieder auf den Rand zu kommen, oder wenn die Flügel getrocknet sind, um das Glas herum zu fliegen, und es von weiter weg zu betrachten, sieht sie wieder das ganze, halbvolle Glas und kann sich frei entscheiden was sie weiter tun will.

Ganz konkret: Hast Du die Möglichkeit ein bisschen Abstand zu nehmen? Wenn es Dir nicht gelingt, dies innerlich zu tun, während Du in der Situation bist, kannst Du Dir organisieren, dass Du für eine gewisse Zeit auch räumlich Abstand nehmen kannst?

Sich auf sich selber besinnen, frei durchatmen tut manchmal gut. Sei es auch nur, um festzustellen, dass man die Menschen, die man zurückgelassen hat lieb hat.

Ich wünsche Dir trotz allem frohe Festtage. Vielleicht geben sie Dir die Möglichkeit zum Durchatmen.

Herzliche Grüsse

Peter

5

Freitag, 28. Dezember 2012, 15:44

Lieber Guru, Luca und Peter

Besten Dank für Eure Worte. Oft habe ich mich alleine gefühlt mit all meinen Gedanken und Gefühle. Ihr vermittelt mir das Gefühl, auf eine Art „zu Hause“ zu sein, eine Art der Geborgenheit.


Lieber Luca

Dir möchte ich zuerst antworten. Beim Lesen Deiner Zeilen ist vieles aus meiner eigenen Vergangenheit empor gestiegen. Es war die Zeit, als ich meine Sexualität, mein Verlangen oftmals verachtete. Ich machte alles im Versteckten und kam mir schmutzig und leer vor. Es gab eine Zeit, da wäre ich am liebsten mit dem Auto auf einen Abgrund zugerast. Zum Glück hatte ich nicht den Mut. Ich wäre im Glauben von dieser Welt gegangen, dass alles aussichtslos sei.

Lieber Luca. Du zeigst mir auf, wo ich auch mal war. Doch ich selber sehe auch, wo ich jetzt bin. Und ich merke, dass die Kraft in mir selber ist bzw. war. Es waren viele kleine Schritte und für jeden Schritt brauchte ich sehr viel Mut und Kraft. Dir lieber Luca, möchte ich ein Spruch übermitteln, der mir durch viele Tiefen hindurch geholfen hat. So einfach wie er klingt, so schwer ist es ihn zu leben.

Glaube an Liebe, Wunder und Glück
schau nach vorne und niemals zurück
Tue was Du willst und stehe dazu
denn dieses Leben lebst nur Du


Wünsche Dir in diesem Sinne alles Gute beim Finden deines neuen ICH.


Lieber Guru

Mit Deinem Schlusssatz hast Du es auf den Punkt gebracht. Ja – ich wünsche mir geliebt und wahrgenommen zu werden. Und ich möchte auch Geborgenheit fühlen. Lese in Deinen Worten, wie sehr auch Dich die Ambivalenz beschäftigt. Es gibt Tage an denen diese Ambivalenz, von der die Bisexualität auch ein Teil ist, mich emotional zerreisst. Was ist richtig, was ist falsch. Wir leben in einer Gesellschaft, die verlangt, dass ich mich für das eine oder andere entscheide. Was ist falsch, wenn ich nach beidem trachte? Oder erlaube ich es mir nur nicht, weil es sich halt nicht gehört? Du hast Recht mit Deinen Worten, dass unerledigte Themen immer und immer wieder zurückkommen. Da nützen auch die besten Verdrängungstechniken nichts. Letztendlich kommt doch die Kraft von Innen. Ich muss nur an mich selber glauben.

Herzlichen Dank für all Deine Worte und ich wünsche uns, dass wir eines Tage mit grossem Selbstbewusstsein unsere Ambivalenz leben können.


Lieber Peter

Habe über Deine Worte sinniert und bemerkt, wie sehr ich mich auf meine Umwelt fokussiert habe. Ich war zu sehr beschäftigt Lösungen zu finden. Lösungen in der Beziehung müssen jedoch gemeinsam erarbeitet werden.

Deine Idee, von allem Abstand zu nehmen, vor allem innerlich, geht mir nicht mehr aus dem Sinn. In einem Spruch heisst es „nur wer seinen Kreis verlässt, kommt vorwärts“. Werde dies nun beherzigen und meine Situation von aussen betrachten.

Wünsche Dir eine gute Zeit und besten Dank für Deine Ermutigungen.




Wünsche Euch allen und dem gesamten Forum einen guten Rutsch in's neue Jahr.

Joshua

6

Montag, 18. Februar 2013, 14:51

Hallo zusammen

Einige Zeit ist in's Lande gezogen und das Kartenhaus ist zusammen gefallen. Ich lebte über ein Jahr in 2 Beziehungen. Eine mit meiner Frau und eine mit meinem ebenfalls verheirateten Partner. Ein Leben in 2 Beziehungen bringt sehr viel Liebe, Freude und Momente, die so wunderbar sind, dass sie nicht zu beschreiben sind. Doch es ist auch eine Herausforderung, die an die Grenzen aller Beteiligten geht. Das Leben zu zweit verlangt ja schon einiges ab. Ist ein Partner davon noch bisexuell, ist dies für diese Beziehung noch eine grosse zusätzliche Herausforderung. Aber unserer Konstellation mit so vielen Beteiligten war rückblickend ein zu waghalsiges Experiment.

Ich hatte daran geglaubt, bzw. ich wollte, dass es möglich sein muss. Doch ich habe mich getäuscht und der Preis dafür war hoch. Selber bin ich gesundheitlich angeschlagen. Meine Frau hat sich zur Besinnung über unsere Ehe zurückgezogen und wir sind örtlich getrennt. Und die Beziehung mit meinem Partner ist in die Brüche gegangen. Meine Ambivalenz, meine Bisexualität haben ihren Tribut gefordert.

Emotional liege ich nun am Boden. Doch ich werde mich wieder aufrappeln. Trotz allem Misserfolg, glaube ich, dass die Bisexualität auch eine wunderbare Seite haben kann. Ich habe einfach noch nicht den richtigen Weg dazu gefunden.

Verliert nicht die Hoffnung.

Joshua

bi_urself

unregistriert

7

Montag, 18. Februar 2013, 17:40

Traurig...

Hallo Joshua!

Es tut mir leid, das zu hören! Darf man mal fragen, was genau vorgefallen ist? Wieso ist das mit deinem Freund in die Brüche gegangen? Wie steht es mit deiner Frau? Gibt es da keine Hoffnung mehr?

8

Montag, 18. Februar 2013, 19:04

Lieber Joshua
dass ist ja bitter ... irgendwie kommt man immer zurück an deine erste Frage: woher sollte man die Kraft nehmen. Ich möchte dir mit deinen eigenen Worten Mut machen. Dein Spruch ist ja einfach und gleichzeitig schwer zu leben, wie du mir geschireben hast, trotzdem steckt eine tiefe Wahrheit darein und man muss daran einfach weiter galuben

Glaube an Liebe, Wunder und Glück
schau nach vorne und niemals zurück
Tue was Du willst und stehe dazu
denn dieses Leben lebst nur Du

Kopf hoch, weiter nach vorne schauen
Dir alles liebe, Luca

9

Dienstag, 19. Februar 2013, 16:41

Lieber Luca, bi-urself

Besten Dank für Eure Worte. Kann sie gut gebrauchen. Zwischendurch verliere ich die Hoffnung, den Glauben an das Glück.

Bei unserer Beziehungskonstellation waren 4 Menschen, mit unterschiedlichen Empfindungen, Vorstellungen und Erwartungen beteiligt. Allen gerecht zu werden ist ein Ding der Unmöglichkeit. Mein Partner und ich sahen uns einmal pro Woche. Für uns beide zu wenig, für unsere Partnerinnen öfters mal zuviel. Wieviel Rücksicht soll genommen werden, wieviel eigene Bedürfnisse sollen eingefordert werden. Auch für uns Bisexuelle gilt das Gesetz, dass der Tag 24 Stunden, die Woche 7 Tage hat. Will ich der einen Seite mehr schenken, muss ich der anderen was wegnehmen. Und die Gefühle funktionieren nicht wie ein Kippschalter, sind nicht rational und logisch. Die innere Zerissenheit zwischen Gefühl und Verstand, zwischen Wunsch und Tatsache, waren für alle Beteiligten einfach zuviel.

Joshua

bi_urself

unregistriert

10

Freitag, 22. März 2013, 00:13

Lieber Joshua,

eine Frage hätte ich noch: Kannten sich denn in eurer Konstellation alle Beteiligten? Hat deine Frau deinen Freund gekannt? Kannte seine Frau dich? Und sind sich eure Frauen auch mal begegnet?

11

Montag, 25. März 2013, 14:52

Hallo bi-urself

Ja unsere Konstellation war bzw. ist ungewöhnlich. Wir kennen uns alle gegenseitig. Gleich zu Anfang haben wir eine grosse Offenheit gelebt.

Über unser erstes Treffen, zwischen meinem Partner und mir, waren unsere Frauen informiert. Während unserem Treffen haben sich die beiden Frauen per Telefon kennengelernt. Kurze Zeit später haben wir uns dann alle zu viert getroffen.

Wir haben uns gegenseitig über viele Tief's hinweggeholfen und ein gutes Verhältnis untereinander gehabt. Ja - eigentlich war ja alles Bestens. Doch da waren auch die unterschiedlichen Lebensweisen und Vorstellungen wie wir dies alles unter einen Hut bringen sollen.

Und letztendlich die Gesellschaft. Bei jedem meiner Coming-Out's haben sich die Anderen mehr dafür interessiert, wie meine Frau damit umgeht und wieso sie weiter zu mir hält, als der Umstand, dass ich bisexuell bin. Meine Frau musste sich mehr Unverständnis über ihr Verhalten anhören, als ich über meine Lebensweise.

Joshua

bi_urself

unregistriert

12

Dienstag, 26. März 2013, 01:02

Über unser erstes Treffen, zwischen meinem Partner und mir, waren unsere Frauen informiert. Während unserem Treffen haben sich die beiden Frauen per Telefon kennengelernt. Kurze Zeit später haben wir uns dann alle zu viert getroffen.
Wie ist denn dieses Treffen abgelaufen? War das nicht ein bisschen merkwürdig, sich da Auge in Auge gegenüber zu sitzen? Wie haben sich eure Frauen dabei gefühlt? Immerhin waren sie ja die Personen, die damit leben mussten zu wissen, dass ihre Männer gemeinsam ins Bett steigen.

Bei jedem meiner Coming-Out's haben sich die Anderen mehr dafür interessiert, wie meine Frau damit umgeht und wieso sie weiter zu mir hält, als der Umstand, dass ich bisexuell bin. Meine Frau musste sich mehr Unverständnis über ihr Verhalten anhören, als ich über meine Lebensweise.
Wie war das denn bei deinem Freund mit Coming-Outs? Hat er es auch anderen Leuten erzählt? Und wieso hattest du den Drang es anderen erzählen zu müssen? Ich glaube, ich hätte es schon alleine wegen meiner Frau niemandem erzählt. Ich kann mir auf jeden Fall gut vorstellen, dass deine Frau (und seine auch?) auf Unverständnis gestoßen ist. Da wird man wohl schnell als naives Frauchen abgestempelt, das ihren Mann wild in der Gegend rummachen lässt. Von außen wird einem dann eingeredet, dass man definitiv der Gehörnte sei. So stelle ich es mir zumindest vor.

13

Dienstag, 2. April 2013, 16:38

Ein Lichtblick

Hallo zusammen

Auch wenn noch nicht alles rosarot ist, sieht es doch wieder besser aus, als noch vor kurzer Zeit. Mein Partner und ich haben wieder zusammen gefunden. Wir versuchen mit der schwierigen Situation, jeweils 2 Beziehungen zu leben, klar zu kommen. Wir sind jedoch von der Lösung möglichst alle in einen gemeinsamen Prozess zu integrieren abgerückt. Mein Partner und ich leben unsere Beziehung nun getrennter von unseren anderen Beziehungen. Ob dies eher der richtige Weg ist, wird sich zeigen.

In meiner Ehe ist es dadurch ruhiger geworden. Unterschiedliche Lebensweisen und Lebenseinstellungen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen, war in der Vergangenheit sehr anspruchsvoll. Ich und meine Frau konzentrieren uns nun auf unsere Gemeinschaft und sind auf der Suche diese neu zu definieren. Einfach ist es nicht. Da sind die Erinnerungen an die wunderbaren gemeinsamen Zeiten und das Bewusstsein, dass diese nicht mehr so wie früher aufleben können. Dies zu erkennen, zu akzeptieren war für uns ein wichtiger Prozess. Es lässt uns aber auch den Raum neues zu entdecken, zu finden. Wie unsere neue Beziehung aussehen wird, ist noch völlig offen.

Wollte einfach diese für mich positiven Nachrichten Euch mitteilen.

Joshua

bi_urself

unregistriert

14

Mittwoch, 3. April 2013, 02:52

Da sind die Erinnerungen an die wunderbaren gemeinsamen Zeiten und das Bewusstsein, dass diese nicht mehr so wie früher aufleben können.
Das hört sich allerdings ziemlich traurig an, auch wenn ich mich darüber freue, dass sich dein Leben aktuell positiver entwickelt. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schmerzhaft es sein muss, das gemeinsame Leben neu überdenken und das Gewesene mehr oder weniger zu den Akten legen zu müssen. Wie du schon schreibst, ein sehr schwieriger Prozess.

Ob es für eure Partnerinnen der bessere Weg ist, ein bisschen mehr Distanz zu gewinnen, muss sich wohl noch rausstellen. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ihr alle einen Weg findet, mit der Situation umzugehen und euren Frieden damit zu machen! Wünsche dir/euch viel Kraft dafür!

15

Mittwoch, 3. April 2013, 13:14

Hallo bi_urself

Vielleicht erscheint im ersten Moment die Tatsache, dass nicht's mehr so wie früher ist ein wenig als traurig. Wenn wir jedoch am bisherigen zu sehr festhalten, können wir nicht loslassen. Die Umstände haben sich verändert und wir wollen dies auch in unserer Beziehung berücksichtigen. Das der Prozess schwierig ist, dem kann ich Dir voll und ganz zustimmen. Momentan erlebe ich diese Veränderung positiv. Es ist als ob wir uns neu kennen lernten.

Wir haben uns beide intensiv mit uns selber auseinander gesetzt und zwar jeder auf seine Art. Bei mir ist dies schon ein längerer Prozess. Je mehr ich meine Engpässe erkenne, desto besser gelingt es auch mir auch mein Gegenüber zu verstehen, zu akzeptieren und dabei trotzdem mich selber zu sein. Ich will neue Wege beschreiten, neues Lernen. Wenn ich der Erste sein sollte, so soll es so sein. Guru verwendet als Abschluss immer den Satz "may the force be with you". Ja, das wünsche ich uns allen, die das Leben von mehr als einer Seite betrachten können.

Joshua