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Samstag, 22. Juni 2013, 08:01

Der Bisexuelle als heimlicher und oft ungeliebter Pendler zwischen den Geschlechterwelten

Freitag, 8. März 2013
Der Bisexuelle als heimlicher und oft ungeliebter Pendler zwischen den Geschlechterwelten


Ein Mensch der mehr als ein Geschlecht emotional und vor allem sexuell bevorzugt, ist als bisexuell zu bezeichnen. Diese Definition schließt dann allerdings auch auf den ersten Blick die Transsexualität mit ein ,was aber nicht ganz eindeutig ist. Der gravierende Unterschied zwischen Bisexualität und Transsexualität liegt vor allem häufig in der Tiefe der Verzweiflungsgefühle eines transsexuellen Menschen, der sich bekanntlich im falschen Körper empfindet und sich oft ausdauernd nach dem anderen Geschlecht sehnt.

Der bisexuelle Mensch bewegt sich dagegen mit mehr oder weniger Leidensdruck zwischen den Gefühlen und Rollen der Geschlechtswelten. Es tritt i.d.R. erst dann Leidendruck auf, wenn ein homosexueller oder heterosexueller Partner ernsthafte Ansprüche auf Normalisierung oder Legalisierung der Beziehung anmeldet und einen normalen Beziehungsalltag leben möchte. vgl.Website unter Sexualtherapie

Von nicht wenigen Homosexuellen wird die Ansicht vertreten, dass Bisexuelle unangepasste Homosexuelle sind und nicht bereit sind ganz homosexuell zu leben, sondern versuchen würden das heterosexuelle Leben aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die Vorteile von Homosexualität haben zu wollen.
Selbst in aktuellen wisenschaftlichen Erhebungen der Uni Jena (2012-2013 ) wird bei einer entsprechenden Untersuchung eines typischen Coming-outs Betroffener und deren Familien der Eindruck erweckt, Bisexualität könne man auch als eine mögliche Form der Homosexualität betrachten.

Ebenfalls wird Bisexuellen eine promiske oder polygame Lebensweise "nachgesagt" Sicher gibt es Bisexuelle die immer wieder einmal switchen und dann auch manchmal ein Geschlecht für einen Zeitraum bevorzugen. Polygamie oder Promiskität mag bei Bisexuellen durchaus eine große Rolle spielen, aber es wäre falsch, nun ein stereotypisches Bild für alle Bisexuelle zu bauen.

In Realität haben aber gerade homosexuelle Menschen nicht selten Vorurteile gegenüber Bisexuellen welche die vor allem hier immer vermutete Bindungsunfähigkeit oder das Konkurrenzverhalten in solchen Beziehungen betreffen. In Partnerschaften, in der ein Partner bisexuell und ein Partner homosexuell ist, existiert nicht selten auch die Angst des homosexuellen Partners, mit einem möglichen hetereosexuellen Parnher konkurrieren zu müssen, da der bisexuelle Partner ihn vielleicht auch wegen eines attraktiven Heterosexuellen verlassen könnte.

Die häufige Ablehnung von Bisexualität bei Heterosexuellen dürfte vermutlich auch durch die Leugung eigener homosexuellen Züge begründet sein. Gleichzeitig gibt es bei Homosexuellen unterschwellig und in Einzelfällen sicherlich auch die Angst vor den eigenen heterosexuellen Begierden : dass ein Bisexueller mit beidseitiger Orientierung für schwule und lesbische Menschen daher ein eher gefährlicher Beziehungspartner ist, ist sicherlich so nachvollziehbar.

Nicht wenige Homosexuelle berichten ebenso, dass Bisexuelle zwar die sexuelle Anziehung suchen, aber ganz selten bereit sind, mit einem Partner des gleichen Geschlechts zusammen zu sein und wenig Motivation zeigen, einen gemeinsamen Alltag leben zu wollen.

Verallgemeinernde Aussagen, das bisexuelle Menschen sexuell absolut gierig sind, sich emotional nicht einlassen können und dergleichen, geistert als Vorurteil vor allem durch die lesbische Szene.
Tatsächlich aber sind Bisexuelle häufig wirklich nur auf sexuelle Kontakte aus, was auch wieder an der eigenen ( meist verleugneten ) Homophobie liegen könnte.

Bisexuelle Männer entwickeln- so auch meine sexualtherapeutische Erfahrung - die verschiedensten Definitionen und auch Regeln. So gibt es beispielsweise bisexuelle Männer, welche sich als heterosexuell empfinden, aber Sex mit Männern haben. Andere glauben, dass Bisexualität nur Sex ohne Intimitäten zwischen Männern sei. Bei Gesprächen mit solchen Klienten begegne ich immer wieder ähnlichen Regeln und damit Vorurteilen,welche die Homophobie und damit die Spaltung des bisexuellen Mannes verdeutlichen.

Homosexuelle Menschen haben manchmal eine recht harte Geschichte bis zu ihrem Coming-Out hinter sich. Die Szene hat zudem ihre eigene Normen, aber auch Vorurteile. Sich einer Gruppe, wie die der Schwulen zugehörig fühlen, heisst aber auch, sich massiv durch die eigene gelebte und gezeigte Sexualität definieren.

Der eher unintegrierbare und indifferente Bisexuelle mit seinem „Zwang zur Freiheit der Wahl „, kann bei einem in sich „unsicheren“ Homosexellen möglicherweise einen Wunsch auslösen, aus der eigenen bisherigen Sexualität auszubrechen und sie zu hinterfragen, wenn er sich dem bisexuellen Partner annähern will. Dies kann dann ebenfalls zu einer ablehnenden, biphobischen Haltung gegenüber den oft als instabil empfundenen Bisexuellen führen. Eine Biphobie kann als eine überproportionale Furcht vor bisexuellen Menschen definiert werden. Sie ist zum größten Teil aus der allgemeinen Ablehnung der Gesellschaft gegenüber einer bisexuellen Orienterung entstanden, vor allem aber auch geprägt durch die weitgehend homosexuelle Szene.

Inzwischen wird der Begriff Biphobie von den verschiedensten Communitys oder und Gruppen meist ohne ihn zu hinterfragen benutzt. Und hier erschliessen sich durchaus Erkenntnisse, dass es auch viele bisexuelle monogame Beziehungen gibt und ebenso gibt es bei Hetero- und Homosexuellen auch viele, offene Beziehungen oder sehr häufig wechselnde Partner.
Dies sind also gewiss kein nachhaltig erwiesenen grundsätzlichen Kennzeichen von Bisexualität. Und natürlich ist auch die Rate an Aids oder anderen Geschlechterkrankungen erkrankter bisexueller Männern nicht erheblich höher als bei Schwulen oder Heteros.

Im Prinzip bedarf es viel mehr öffentlicher Aufklärung über Bisexualität ebenso wie über Transexualität oder andere Formen der Geschlechterrollen.

Ich erlebe in meiner Praxis durchaus bisexuelle Männern, die gerne Sex mit Männern haben, aber es nur ganz verschwiegen ausleben, da sie um ihr eigenes Männerbild fürchten, und damit auch vor den eigenen Vorurteilen und Verlustängsten.

Würden mehr Bisexuelle öffentlich über ihre Sexualität Auskunft geben, würden manche Vorurteile von alleine Verschwinden.

Besonders erschreckend empfinde ich die homophoben Vorurteile, die auch viele Bisexuelle offensichtlich selbst haben und transportieren. Insfern könnte ein offener und toleranterer Umgang mit Homosexuellen wie Heterosexuellen zu einer positiven Veränderung führen. Im Kampf gegen die Homophobie , den Bisexuelle wie Homosexuelle wohl gleichzeitig bestreiten müssen, könnten sich hier beide sexuelle Ausrichtungen in der Mitte treffen.
Im Gegenzug muss aber auch die lesbische und schwule Szene sich vermehrt mit Bisexualität und der eigenen Heterophobie auseinandersetzen, die eigenen Vorurteile hinterfragen und sich weniger abzugrenzen.



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