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Montag, 17. Dezember 2012, 17:43

Versteckte Bisexuelität

Hallo Leute

Ich habe die Beiträge hier im Forum gelesen und stelle fest, dass ich nicht der einzige bin, der Probleme zu lösen hat. Nun... alles von vorne:

Ich (35) lebe zur Zeit mit meiner Freundin zusammen in einer Wohnung. Wir führen seit 4 Jahre eine sehr schöne Beziehung. Klingt eigentlich ganz gut. Das ganze hat halt eben auch die Schattenseite!

Zuerst möchte ich aber nochmal 10 Jahre zurück gehen, damals war ich 23 Jahre alt. Ich führte mit meiner Ex-Freundin 6 Jahre eine Beziehung, die dann auseinander ging. Ich habe meine Ex-Freundin permanent mit Männern betrogen, was ich eigentlich das hinterletzte finde, aber für mich irgendwie notwendig war. Erst in dieser Zeit lernte ich die männliche Seite kennen. Ich habe die Sexualität zu den Herren damals ausgelebt und Erfahrungen gesammelt. Ich wollte meiner damaligen Freundin nichts böses tun. Ich konnte nicht anders. Beim Zusammenkommen erklärte ich Ihr damals, dass ich nicht weiss, ob die Beziehung zwischen uns eine Chance hätte, weil ich auch schon sexuellen Kontakt mit einem Mann gehabt habe. Sie meinte damals einfach, du bist BI, dass ist ok! Ich will einfach, dass du Treu bist und ging mit mir die 6-jährige Beziehung ein. Die Frau war damals im übrigen die erste mit der ich geschlafen habe. Warum? Ich traute mich nicht auf die Frauen zuzugehen, weil ich einfach unsicher war. Auf die Männer ging ich sowieso nicht zu, weil ich ja nicht erkannt werden wollte. Also hatte ich bis 21 keinen Sex. Zum ersten Mal erlebte ich dieses schöne Gefühl unerwartet mit einem Mann. Danach folgten Treffen mit den Jungs übers Internet.

Nun, nach dieser langen Beziehung ging mal 1 Jahr gar nichts. Ich war enttäuscht und die Trennung kam zu plöztlich! Nach diesem Jahr hatte ich Sex mit weiteren Frauen, was mir extrem gefiel und auch mit Männern. Jetzt bin ich mit meinem Schatz zusammen und (eigentlich) glücklich! Die Frau ist bildhübsch, die Männer beneiden mich um sie! Von meiner Bi-Seite weiss sie aber nichts! Wüsste sie etwas, dann steh ich Sekunden später vor der Tür. Fast 4 Jahre habe ich ausgehart und war ihr Treu. Manchmal wars ganz einfach, manchmal schwierig. Als ich mit ein paar Jungs im Ausland im Urlaub war und ich ein Einzelzimmer hatte geschah es dann. Auf dem Internet habe ich mich mit einem Jungen getroffen und hatte im Hotelzimmer nach knapp 4 Jahren wieder einmal Sex. Ich habe allerdings nicht mit ihm geschlafen! Wie schon in früheren Jahren hatte ich danach ein schlechtes Gefühl. Nicht weil ich fremd gegangen bin. Nein, ich fühle etwas schlechtes dabei mit Jungs Sex zu haben. Zuerst bin ich heiss, danach der Akt und dann das schlechte Gefühl! Warum weiss ich auch nicht. Die Erfahrung im Hotel war auf jeden Fall gut!

Ich kann mir eine Beziehung mit einem Mann nicht vorstellen! Ich brauche eine Frau. Ich kann mir aber einen Typen auch nicht wegdenken! Ich brauche nun halt einfach beides! hmmm... nicht ganz einfach das ganze!

Mittlerweile bin ich 35 Jahre alt. Meine Freundin 32! Es kommt die Zeit über Kinder nachzudenken! Will ich Kinder, will ich keine? Ja, ich will! Ich will mit ihr Kinder haben. Was aber, wenn das Kind älter wird und ich plötzlich das reissen zu einem Typen spühre? Was dann? Wenn ich die Bombe (Bisexualität) platzen lassen muss und ich dann verabscheut werde und man mir vorwirft, dass ich Sie über die ganzen Jahre belogen habe, obwohl ich es doch gut meinte! Ich kann für meine Gefühle nichts. Ich würde gerne ein Heterosexuelles leben führen, denn ich bin im Verhalten auch total der Heti! Den Sex brauche ich aber in grösseren Abständen zu den Männern auch. 4-6x im Jahr reichen mir völlig! Ich weiss aber, dass ich nicht fair gegenüber meiner Freundin bin. Die Lage ist verzwickt. Ich sage mir manchmal, es gibt genügend Hetis die ja auch nicht wissen können, ob eine andere Frau oder Mann plötzlich kommt und sich dann trennen. Naja...

Meine Situation ist echt beschissen. Ich studiere täglich, was zu tun ist. Ich sage mir dann einfach, kommt Zeit, kommt Rat!

Schwule Leute finde ich im übrigens sehr sehr angenehm! Ich kann aber nicht mit einer femininen Person zusammenleben oder längere Zeit freundschaftlich Verkehren. Ich bin da einfach total der Heti! Ich bräuchte eigentlich einen Typen wie ich, einen Heti, mit schwuler Sexualität. Vielleicht könnte ich dann mit einem Mann eine Beziehung eingehen.

Frage an Euch! Gibt es Menschen da drin, die eine ähnliche Situation zur Zeit leben? Gibt es Menschen, die mir Tips geben können oder aus Erfahrungen sprechen können? Ich liebe meine Freundin! Ich will sie nicht verlassen, ich kann nicht! ich möchte das andere aber auch nicht missen! Ich habe das Gefühl ich kann machen was ich will. Ich mache diesbezüglich eh das Falsche!

Danke, lieben Gruss
pat

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Montag, 17. Dezember 2012, 23:09

Hallo Pat
ich bin seit 20 Jahren mit meiner Frau zusammen und wir haben Kinder: meine Bisexualität habe ich sehr spät entdeckt, erst vor kurz. Meine Frau weiß nichts davon. Was mich sehr zu schaffen bringt, ist wie soll ich mich outen und was wird mit den Kindern. Nicht nur wegen der Möglichkeit der Trennung (muss nicht sein), aber wegen dem Grund dafür. So viele Leute kennen uns und meine Familie : wie spielt es sich auf die Kinder aus wenn es rauskommt. Wie gehen die andere Leute mit ihnen um? Kann ich sie noch umarmen, kussen - wie reagiren sie auf mich? Ich habe sie sooooo lieb und kann sie nicht verlieren, ich verstehe dein Wünsch nach kinder . Ich bemühe mich jeden Tag mehr mit ihnen nett zu sein und verständnissvoll. Aber um ganz fair zu sein: je mehr ich an Männer denke desto weniger fähig fühle ich mich ein guter Vater zu sein und die Verantwortung druckt mich massiv.
Du musst deine Entscheidung treffen, ich bin mir heute ganz unsicher, ob es für mich richtig war kinder zu haben. Manchmal glaube ich, ich habe Kinder um mir umbewusst zu beweisen, dass ich Mann und Hetero bin und nicht Schwul - Nota bene: ich war immer hetero. Ich wünsche mir, ich hätte rechtzeitig gewusst da ich bisex bin.
Wir leiden alle, sind alle in einer beschiessener Situation. Wenn du jetzt weisst, dass du auch Männer brauchst, solltest du dir gut überlegen , ob du es deiner Partnerin rechtzeitg erzählst, bevor ihr euch auf dem Kinderwünsch einlässt. Die Bombe wird platzen, wird bei mir auch früher oder später: dei Frage ist nur : wann ist der Schaden kleiner. Wenn sie es weisst, sie konnte es auch akzeptieren und ihr geht das Risko eine Familie zu grunden zusammen. es kann gut gehen, es kann schlecht gehen, wie bei den Heteros. Mir kommt es heute so vor, wenn ich an mich denke, als wäre es das fairste.
Wünsche dir viel Glück
luca

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Mittwoch, 19. Dezember 2012, 16:49

Hallo Pat

Ist schon länger her, aber Deine Geschichte könnte in vielen Teilen meine sein. Als junger Mann fühlte ich mich zu Männern hingezogen und ich habe es im Versteckten auch ausgelebt. Die Angst erkannt zu werden, war ein Dauerthema bei mir. Hatte in meiner Jugendzeit schlimme Erfahrungen damit gemacht. Dann habe ich meine jetzige Frau kennen gelernt und mich total verliebt. Eine Beziehung zu einem Mann konnte ich mir sowieso nicht vorstellen. Für den Sex waren Männer ok, doch bei den Gefühlen habe ich abgeblockt. Ich habe geheiratet und wir waren über Jahre miteinander sehr glücklich. Doch das Verlangen nach einem Mann hat mich in meinen Träumen verfolgt. Ich konnte nicht anders und suchte den Sex mit Männern. Danach fühlte ich mich jeweils mies, mieser am miesesten. Und trotzdem konnte ich nach gewissen Zeitabständen nicht wiederstehen.

Und an einem Valentinstag, als wir beide zusammen bei einem Glas Wein das Thema Offenheit und Ehrlichkeit hatten, wollte ich nicht mehr dieses Versteckspiel. Ich offenbarte ihr mein Geheimnis. Unsere Liebe war sehr stark und hielt dieser Bewährungsprobe stand. Von nun an merkte meine Frau, wenn in mir das Verlangen wuchs. All die Jahre hält sie nun zu mir und nimmt mich so an, wie ich bin.

Eine Beziehung zu einem Mann konnte und wollte ich mir nie vorstellen, bis vor einem Jahr es doch passiert ist. Ein Mann hat die Türe der Gefühle geöffnet. Und die Gefühle zu meiner Frau sind weiterhin geblieben. Und so hat sich was Wunderbares ergeben. Ich lebe in 2 Beziehungen.

Nun wirst du vielleicht denken, du Glückspilz. Doch alles ist auch emotional sehr anstrengend. Dieses Jahr hat mich fix und fertig gemacht und am liebsten möchte ich meine Bisexualität vergessen. Momentan ist mir dies einfach zu viel und ich habe Mühe all die Veränderungen zu verarbeiten.

Eines habe ich jedoch über die Jahre gelernt. Ich kann vieles mit meinem Willen verdrängen, doch das Unterbewusstsein ist unbarmherzig. Also lass ich es und suche nun einen Weg um meine glückliche Situation auch leben zu können. Denn letztendlich hätte mir doch nichts Besseres passieren können.

Lieber Pat. Wünsche Dir auf Deinem Weg alles Glück das es gibt, auch wenn Du jetzt das Gefühl hast, alles falsch zu machen. Vertraue Deinen Gefühlen und lebe Dein Leben.

Joshua

4

Freitag, 21. Dezember 2012, 15:15

Lieber Pat
Als sich bei mir eine bisexuelle Neigung bemerkbar machte, war ich bereits Verheiratet und hatte Kinder. Mit meiner Frau sprach ich nicht darüber, es war mir peinlich und ich wollte es auch nicht wirklich wahrhaben. Mit den Jahren spitzte sich die situation zu und ich hatte das starke Bedürfnis herauszufinden ob ich mir das nur erträume oder ob das ein Teil meiner Realität wäre. Ich wollte also intimen kontakt zu einem männlichen wesen. Auch in dieser Situation konnte ich nicht mit meiner Frau darüber sprechen. Ich entschuldigte mich selber mit dem Fakt dass ich ja gar nicht weiss ob da wirklich etwas dran ist. Es kam irgendwann dann mal zu diesem Kontakt und der hat mir den Boden unter den Füssen weggezogen. Einerseits habe ich etwas erlebt was ich mir nicht zu träumen wagte (ja, es war sehr schön) andererseits gab es ein beschämendes Gefühl meiner Frau gegenüber. Nun hatte sie tatsächlich betrogen. Das war ein Moment wo ich das dringende Bedürfnis hatte, mich bei meiner Frau zu outen. Ich hatte Angst, eine ablehnende Reaktion zu erleben, habe mich davon abhalten lassen nachdem ich von mehreren Seiten meine Angst als berechtigt bestätigt erhielt.

Im nachhinein kann ich nur noch den Kopf schütteln über mein eigenes Verhalten. Es war nicht nur unfair ihr das vorzuenthalten, es war unreif und egoistisch. Jemand zu lieben bedeutet nicht dass man diesen Menschen vor der Realität "schützen" soll/muss (wer schützt wen und weshalb? Ist es nicht egoistisch aus Angst vor Verlassen werden, sich mit lügen zu schützen?) Oder, wie fändest du es wenn deine Freundin ab und zu Sex mit einem anderen Mann braucht (und hat), dich aber damit nicht belasten will und es dir darum verschweigt? Ich hätte das wissen wollen wenn das meine Frau so gehandelt hätte.

Du gehst jetzt schon davon aus dass dich deine Freundin verlassen wird wenn sie es erfährt. Was erlegst du dir damit für eine Bürde auf, wenn du sie heiratest und ihr kinder habt? Du wirst deine Bisexualität nicht einfach abstellen können. Es wird dich weiterhin verfolgen. Sei erlich mit dir und sei erlich mit deinen Mitmenschen, auch wenn es manchmal schwierig scheint erlich zu sein. Schwierigkeiten sind im übrigen da um etwas im Leben zu lernen (was man noch nicht kann und offensichtlich lernen sollte).

Ich wünsche dir viel Vertrauen,
du wirst deinen Weg schon finden

herzliche grüsse
guru
---------- May the force be with you ----------

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Freitag, 21. Dezember 2012, 18:44

Hallo zusammen

Zuerst einmal vielen Dank für eure Feedbacks. Finde es wichtig zu wissen, was andere denken und was sie selber für Erfahrungen gemacht haben.

Mich outen? Meiner Freundin erklären, dass ich auch auf Männer stehe? Vielleicht sagt sie mir dann? "Ok, wir versuchen es trotzdem zusammen, unsere Liebe ist stark genug!" Sie wird aber andere Freundinne und Freunde fragen, wie sie reagieren solle. Die Situation ist neu und kommt sehr plötzlich. Ich wäre danach wohl geoutet und das möchte ich eigentlich nicht. Ich weiss nicht ob ich für sowas stark genug bin. Ich bin nicht reif genug für ein Outing.

Richtig wäre eigentlich jetzt schluss zu machen, damit sie einen neuen Kerl kennenlernen kann und Kinder auf die Welt stellen kann. Was passiert, wenn ich beispielsweise nach 4-5 Jahren merke, nein, es geht so nicht weiter? Dann ist sie 38-39! Ich hätte wohl ihre kostbare Zeit vergeudet. Was soll ich tun? Ich kann doch nicht einfach Schluss machen, wenn ich Gefühle für Sie habe. Mich jedes Mal freue sie zu sehen, von ihr sms zu kriegen, mit ihr mein Leben zu leben.

Trotzdem... am Morgen gehst du zur Arbeit. Hattest am Vorabend vielleicht noch Sex mit ihr, freust dich auf den Abend mit ihr, gehst in den Bus und plötzlich steht ein Kerl vor dir, den du auf der Stelle gleich vernaschen könntest. Ist das ein Leben? Es gibt sicher schöneres...

Vielleicht brauche ich einfach Zeit um mir klar zu werden wo es lang geht! Gibt es Herren von euch die positive Erfahrungen mit meiner Geschichte gemacht haben? Herren die Ihre Frau lieben und nebenbei versteckt mit einem Typen Sex haben? Vielleicht immer mit demselben?

Danke schon jetzt euch allen! Wünsche eine frohe Weihnachtszeit.

Liebe Grüsse Pat

6

Samstag, 22. Dezember 2012, 05:19

Lieber Pat

Ich verstehe Dein Dilemma sehr gut, und Du fragst nach Erfahrungen. Ich bin unterdessen schon bald 64 Jahre alt, und stelle Dir gerne meine Lebenserfahrung zur Verfügung. Das heisst nicht, dass ich glaube es müsse so sein, wie ich es erlebe und erlebt habe, aber es ist meine Wahrnehmung zum Thema Bisexualität:

Ich erlebe, dass Beziehungen zu Frauen oder Männern verschiedene Seiten in mir ansprechen:

Eine Frau vermittelt mir viel stärker das Gefühl von Verbindlichkeit in einer Partnerschaft als ein Mann. Die Frau ist wahrscheinlich in unserer Kultur instinktiv eher daran interessiert, eine Beziehung zu finden, die ihr Sicherheit, Geborgenheit und Dauer vermittelt. Mit ein Grund kann unter Umständen der Wunsch sein, mit einem Partner zusammen Kinder gross zu ziehen. Alleinerziehend zu sein ist nicht einfach in unseren sozialen Strukturen. Kinder zu haben bedeutet eine grosse Aufgabe. Man verpflichtet sich damit für mindestens 18 Jahre, wenn auch nicht dem Partner, so doch den Kindern gegenüber. Ich selber war verheiratet, bis mein Sohn 19 Jahre alt war. In dieser Zeit habe ich gänzlich darauf verzichtet, sexuelle Kontakte zu Männern zu haben, da ich meine Familie nicht gefährden wollte.

Meine Frau wusste von Anfang an Bescheid über meine Bisexualität. Ein ehemaliger Freund von mir war einer der Trauzeugen. Eigentlich waren ich, und mit der Zeit auch meine Frau, der Meinung, mein Verlangen nach sexuellem Kontakt mit einem Mann würde sich von selbst erledigen, zumal die körperliche Beziehung zu meiner Frau sehr schön und befriedigend war, und mein Wunsch nach einem Familienleben mit Kindern sehr gross. Ich war ein treusorgender Ehemann und Vater. Nach etwa 18 Jahren hat sich aber die Verdrängung dieses Wunsches grausam gerächt, in dem ich ernsthaft, ja sogar lebensgefährlich, krank wurde. Bei der Aufarbeitung meiner Krankengeschichte mit Hilfe eines Psychologen wurde mir klar, dass ich meine Neigung zu Männern wieder Beachtung verschaffen musste, und so kam ich vor gut drei Jahren in die Gruppe für Bisexuelle.

Dort lernte ich einen Mann kennen, in den ich mich verliebte. Meine Frau ertrug dies nicht, und liess sich scheiden. Ein für beide Seiten sehr schmerzhafter Prozess. Mein inzwischen beinahe erwachsener Sohn konnte damit gut umgehen, kannte er doch von Kindheit an meine Lebensgeschichte.

Und jetzt komme ich auf den Unterschied, wie ich Beziehungen zu Männern erlebe. Für mich ist der geistige aber auch der körperliche Zugang zu Männern viel einfacher und direkter, als der zu Frauen. Einen Mann verstehe ich nicht nur in seinen Gedanken und Emotionen, sondern auch in seiner Sexualität viel besser. Es scheint in der Natur des (bisexuellen) Mannes zu liegen, sich selber und seine sexuellen Möglichkeiten bis in die tiefsten Tiefen ausloten zu wollen und sich selbst in verschiedensten Situationen zu erleben. Sei es mit einer Frau, bei der er seine Männlichkeit erleben kann, oder bei einem Mann, mit und durch den er sich selber erfahren kann, bis hin zum Wunsch, sich bedingungslos hinzugeben. Dies kann zu sehr intensiven Erlebnissen führen, und wer dies einmal erfahren hat, kommt nicht so schnell wieder davon los.

Die Kehrseite der Beziehung zu Männern habe ich so erfahren, dass alle mit denen ich eine Liebesbeziehung eingegangen bin, gar nicht beziehungsfähig waren, respektive nicht bereit, sich auf eine dauerhafte, ernsthafte, liebevolle Partnerschaft einzulassen. All meine Männerbeziehungen endeten schmerzhaft. Dies führte jedes mal dazu, dass ich mich wieder nach einer verbindlichen Beziehung mit einer Frau sehnte, mit dem Resultat, dass ich mein Verlangen nach Männern unterdrücken musste, denn es hat sich bisher in meinem Leben keine Frau gefunden, die sich über längere Zeit damit einverstanden erklären konnte, dass ich auch Männer liebe, respektive zwei Liebesbeziehungen lebe.

Fazit aus meiner Lebensgeschichte ist, dass es für einen (bisexuellen) Menschen unbedingt erforderlich ist, dass er, oder sie, ein absolut eigenständiges Leben führt, in sich selber ruht und die Sicherheit und Geborgenheit aus sich selber bezieht und nicht von anderen Menschen, sei dies nun eine Frau oder ein Mann, und dass er oder sie wenn möglich sorgfältig mit Kinderwünschen umgeht.

Leider gibt es in unserer Gesellschaft weder Vorbilder von Bisexuellen, denen es gelungen ist, ein erfülltes glückliches Leben zu führen, noch Vorbilder, wie Beziehungen funktionieren könnten, in denen der eine oder beide Partner auch die Liebe zum eigenen Geschlecht leben. Hier gilt es, aus all den Erfahrungen, die bisexuelle Menschen machen, zu lernen und Pionierarbeit zu leisten.

Vielleicht ist auch die www.polyamory.ch (oder .de) Bewegung eine Möglichkeit, sich einen Freundeskreis zu schaffen, in dem andere Lebensformen gesucht und gelebt werden. Der Anteil von Frauen und Männern, die sich zu ihrer Bisexualität bekennen ist überdurchschnittlich hoch.

Du siehst, ich kann Dir leider keine Erfahrung mitteilen, wie es konkret funktionieren könnte. Ich wünsche Dir aber alles Gute, und dass Du für Dich den Weg findest, der richtig für Dich ist.

Ich finde übrigens auch, dass ein Coming-Out auf keinen Fall verfrüht, und schon gar nicht von Deiner Freundin in Deinem Freundeskreis, gemacht werden sollte. Nimm Dir Zeit und gehe vorsichtig mit Dir selber um dabei.

Herzliche Grüsse

Peter

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Peter Christen« (22. Dezember 2012, 05:36)


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Sonntag, 30. Dezember 2012, 13:50

Hallo ihr alle Liebe Vanbu, Joshua, Peter und Guru

Ich habe mich jetzt geoutet und mit meiner Frau gesprochen. Es war schmerzhaft aber fällig. Es war richtig und gut es zu tun. Ich bin jetzt nicht in der Lage viel zu erzählen, nur dass je länger ich gewartet hätte desto schlimmer wäre es gewesen. Ich bedanke mich hier bei allen für die Beiträge die mir geholfen haben diesen Schritt zu machen.
Lieber Vanbu, ich weiß gar nicht wie ich es begrunden hätte können, wenn ich schon von Anfang unserer Beziehung meiner Bisexualität bewusst gewesen wäre. (ok, der Satz ist grammatikalisch sicher nicht ganz in Ordnung, ich hoffe die Idee ist doch über gekommen....).
Drucke dir die Daumen und wünsche auch viel Mut und Glück
Luca

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Donnerstag, 3. Januar 2013, 16:50

Hallo Pat

Ich verstehe Deine Bedenken sich zu Outen nur zu gut. Du hast Recht. Für ein Outing muss man wirklich sehr stark und die Zeit muss reif dafür sein. Ich selber habe ja ein Doppelleben über Jahre geführt. Anfangs hat mich das schlechte Gewissen schon geplagt, aber irgendwie bin ich damit fertig geworden. Dazu war mein Verlangen jeweils zu gross. Und ich vermied, mich mit einem Typen mehrmals zu treffen. Ja keine Gefühle, keine Verpflichtungen oder gar Hoffnungen aufkommen lassen. Hauptsache ich hatte meinen Sex. Über die Jahre erkalteten meine Gefühle dabei immer mehr. Gegenüber den Männer, meiner Frau und auch gegenüber mir selber. Ich selber habe rückblickend keine gute Erfahrung gemacht. Doch damals, hatte ich die gleichen Wünsche wie Du und bin diesen Weg gegangen. Ob richtig oder falsch. Ich weiss es nicht. Heute weiss ich nur, dass mir vor einem Jahr ein grosses Glück wiederfahren ist und ein Mann mir wieder zu meinen Gefühlen gegenüber einem Mann, meiner Frau und mir selber verholfen hat.

Eine Erfahrung zum outen möchte ich Dir noch mitgeben. Der Umstand, dass ich auf Männer stehe, war für meine Frau weniger schlimm, als den Vertrauensbruch den ich begangen hatte. Ich habe ihr über Jahre nicht vertraut und mich nicht gezeigt wer ich bin. Meine Frau hätte niemals eine andere Frau akzeptiert. Doch ein Mann war für sie eine andere Sache. Sie sagt heute noch zu mir, sie wisse, dass sie mir dies nie geben werden kann. Ja - unsere Beziehung ist stark genug und wir versuchen es trotzdem.

Lieben Gruss

Joshua

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Joshua« (18. Februar 2013, 16:23)


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Freitag, 4. Januar 2013, 09:15

Hallo Pat

ich kann nicht mit der Erfahrung von Joshua sprechen, da ich mich gerade geoutet habe und kenne die langfristige Auswirkung nicht. Aber das eine ist ganz klar und ich kann Joshua bestätigen: nichts ist schlimmer als der Betrug per se, dass man mit Männer geht ist Nebensache. Am Anfang hat meine Frau nicht differenziert, nach 3 Tagen und Nächte am weinen und reden macht sie selber den Unterschied und versteht , dass für mich anders ist mit einem Mann zu gehen als sie mit einer Frau zu betrügen. Und hätte ich sie mit einer Frau betrogen, wäre meine "Beichte" auf keine Verständnis gestoßen und sie hätte es nicht akzeptiert.
Ich bin vielleicht etwas konservativ, aber ich kann mir gar nicht vorstellen , dass man eine Existenz (Familie, Kinder!) auf eine nicht ausgesprochenen Realität baut, die das ganze kaputt machen kann.
Unsere Beziehung hat sich als sehr stark erwiesen, meine Frau kennt jetzt ein Teil von mir was meine Identität mit-definiert. sie ist happy, dass ich sie teilnehmen haben lasse. Sie ist Teil meiner Selbstfindung. Sie hat mir den Mut zum outen anerkannt. Wir werden versuchen gemeinsam weiter zu machen. Es ist sehr schlimm gewesen, sehr hart und peinlich sich zu outen, aber wir dürfen jetzt gemeinsam nach vorne schauen. Es gibt Respekt für einander.
Es ist natürlich deine Entscheidung, aber wenn du mit ihr es ernst meinst, musst du es dir richtig gut überlegen. Es ist auch deine Chance zu verstehen, wie stark ihre Liebe zu dir ist.
Mir persönlich geht es jetzt nach dem coming out viel besser,davor hat das Lügen (müssen) mich fertig gemacht. Es war schreklich, die echte Belastung in meiner Bisexualität.

Dir ganz liebe Grüße
Luca

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Freitag, 11. Januar 2013, 09:37

Hallo zusammen

Vielen Dank zuerst allen für Eure Antworten. Für mich sind sie gold wert!

Lieber Peter, in meinem Leben geht’s zur Zeit auf und ab! Ich freue mich auf meine Freundin, dann sag ich mir wieder… „ja, ich will endlich ein Kind“ mit Ihr. Ich will eine Familie. Ich bin ein Mensch der Geborgenheit braucht. Ich will in den Arm genommen werden und glücklich sein! Ich bin rein optisch, wie auch aus dem Verhalten total der Heti-Typ! Ich bin in einer Gayszene nicht wohl! Trotzdem, die Jungs machen mich ebenfalls scharf! Die Neigung zu ihnen ist gross und macht mich manchmal wahnsinnig! Seit 4 Jahren bin ich treu! Unglaublich eigentlich, doch gegen deine 18 Jahre ist das nichts! Fakt ist allerdings, dass ich im Ausland, als ich alleine unterwegs war die Gelegenheit genutzt habe und Sex mit einem Typen hatte. Das war mal wieder nötig und hat mir gut getan! Wie sieht meine Zukunft aus? Ich weiss es nicht… ich nehme jetzt einfach Tag für Tag und es kommt wie es kommen soll! Wie viele verheirateten Männer haben Affären mit anderen Frauen? Ich glaube 70% der Gesellschaft geht fremd, dann ist es ja auch nicht so schlimm, wenn ich auch fremd gehe, dies halt mit einem Mann! Ich weiss, einfach gesagt und auch ein bisschen Unfair gegenüber dem Partner! Aber was soll ich tun? Ich bin nun mal das was ich bin! Ich kann keine Gefühle ändern, mich umstimmen! Ich muss damit leben und ich versuche für mich das Beste daraus zu machen…

Lieber Luca, was mich interessieren würde ist, was aus deinem Outing die Konsequenz war. Bist du immer noch mit deiner Frau zusammen? Wie alt bist du? Bist du nun gegen aussen geoutet?
Glaubst du nicht, dass eine reifere Frau, mit der du bereits durch dick und dünn gegangen bist, besser versteht, was ein Bisexueller fühlt, als eine jüngere Frau um die 30. Jahre?


Hey Joshua, was heisst das „ein Mann hat mir wieder zu meinen Gefühlen gegenüber einem Mann, meiner Frau und mir selber verholfen“? Was geschah? Ich wünsche mir eine Frau, die meine bisexuelle Seite versteht. Ich hab sie ja nicht erfunden! Nur weiss ich, dass meine Freundin sowas nicht verstehen wird. Oute ich mich, ist sie weg! Wüsste ich, dass ich eine Chance habe, die Beziehung zu ihr weiter zu geniessen und meine Bisexualität gleichzeitig ausleben zu dürfen, dann würde ich ihr das sofort erzählen…

11

Montag, 14. Januar 2013, 15:49

Hallo Pat

Ob Deine Freundin mit Deiner Bisexualität umgehen könnte, wirst Du am Besten wissen. Obwohl manchmal täuschen wir uns in unseren Mitmenschen. Ich kann Dir nur von meinen Erfahrungen beim Outen erzählen. Ich habe mich in vielen Menschen getäuscht. Vermeintlich sehr offene, tolerante Personen haben sich von mir abgewendet. Andere deren Ablehnung ich annahme und auch davor Angst hatte, haben sich von einer ganz anderen Seite gezeigt und akzeptieren mich so wie ich bin.

Du hast mich gefragt, was geschah, als ich wieder zu meinen Gefühlen fand. Seine Neigungen lange Zeit zu unterdrücken oder zu verheimlichen geht nicht spurlos vorbei. Die Beziehung leidet darunter. Nicht sagen zu können, wieso ich bedrückt bin, was mich innerlich fast zerreist und dann die vielen Ausreden. Die Gefühle erkalteten immer mehr. Unsere Ehe ist fast daran zerbrochen. Erst seit ich endlich das leben kann, wie ich wirklich bin sind meine Gefühle wieder zurück gekehrt. Wir durchleben heute eine sehr offene, liebevolle und intensive Beziehung.

Joshua

12

Mittwoch, 16. Januar 2013, 15:00

Ok, und was meint das Umfeld von deiner Frau dazu? Nehmen die das einfach so hin oder bist du jetzt der "Böse"? Ich würde das gerne auch tun, vielleicht brauchts halt ein bisschen mehr Zeit! Mal schauen... danke dir! ;-)

bi_urself

unregistriert

13

Dienstag, 5. Februar 2013, 12:07

Hallo vanbu!

Ich habe mit Interesse deine Geschichte gelesen und wünsche dir erstmal viel Kraft, um mit deiner Situation so umzugehen, dass sie dich nicht vollkommen zerfrisst!

Bei mir ist das Ganze zwar anders gelagert, aber mitreden kann ich schon, wenn es ums Outing dem eigenen Partner gegenüber geht.

Ich habe meiner Frau, mit der ich nun schon 8 Jahre zusammen und 2 verheiratet bin, im letzten Jahr meine Bi-Neigung gestanden. Es war zwar kein leichtes Unterfangen, aber irgendwann musste es einfach raus, und ich bin froh, dass ich es letztendlich getan habe. Ich muss aber auch dazusagen, dass ich es wohl nicht getan hätte, wenn ich nicht ansatzweise das gefühl gehabt hätte, sie hätte Verständnis dafür. Das hat mir mitunter gezeigt, wie groß das Vertrauen zwischen uns ist und auf was für einem soliden Fundament unsere Ehe und unsere Liebe stehen. Nach einigen Gesprächen standen die "Spielregeln" fest, mit denen wir beide sehr gut leben können, und nach einigem hin und her (wofür aber meine Einstellung mir selbst gegenüber verantwortlich war) wird es wohl nächste Woche ein Treffen mit einen Mann geben, mit dem ich im Idealfall eine dauerhafte erotische Freundschaft pflegen möchte, mit der sich meine Frau schon arrangiert hat. Wir haben aber auch die Vereinbarung getroffen, dass sich jeder dann zu Wort meldet, falls er merkt, dass er emotional nicht mit der Situation zurechtkommt. So wie ich mich und meine Frau einschätze, sollte es aber keine Probleme geben.

Was ich zum Fremdgehen aber sagen kann, ist, dass es für mich nie infrage gekommen wäre. Meine Frau ist und bleibt der wichtigste Mensch und Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben, weswegen ich es nie gewagt hätte, irgendwas hinter ihrem Rücken anzufangen. Ich gehöre aber auch zu der Spezies Mensch, die sich beim Sex nicht fallenlassen kann, wenn emotional irgendwas im Argen liegt. Bevor ich schönen und befriedigenden Sex haben kann, muss emotional alles geklärt sein, und ich darf nicht irgendwelche Zweifel im Hinterkopf haben.

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Dienstag, 19. Februar 2013, 09:45

hallo bi_urself

danke für deinen beitrag. was habt ihr denn vereinbart? hat sie auch die möglichkeit sowas zu tun? z.b. mit frauen oder mit einem anderen typen? Wie läuft der Sex mit ihr? Ich musste feststellen, dass mich das ganze ziemlich bedrückt und ich dadurch auch nicht mehr so leistungsfähig bin wie vorher! ich versuche nun mit der sache klar zu kommen und brauche ein bisschen zeit um zu wissen, was richtig oder falsch ist! ein anderer hätte wohl einfach gemacht, was er für gut hält. vielleicht überlege ich auch zu viel und sollte machen, was ich im moment gerade für richtig halte.

lg

bi_urself

unregistriert

15

Dienstag, 19. Februar 2013, 12:08

danke für deinen beitrag. was habt ihr denn vereinbart? hat sie auch die möglichkeit sowas zu tun? z.b. mit frauen oder mit einem anderen typen? Wie läuft der Sex mit ihr? Ich musste feststellen, dass mich das ganze ziemlich bedrückt und ich dadurch auch nicht mehr so leistungsfähig bin wie vorher!
Also, wir haben festgelegt, dass ich mich zweimal im Monat mit einem Mann treffen darf. Das ist für sie okay, um das Ganze eher wie ein "Hobby" zwischen Männern zu sehen und nicht das Gefühl zu haben, dass es mein/unser Leben zu sehr dominiert. Leider hat das Treffen mit dem Mann, mit dem ich schon länger Kontakt habe, immer noch nicht stattgefunden, aber das ist ein anderes Thema.

Wenn meine Frau etwas mit einer anderen Frau würde anfangen wollen, wäre das für mich auch okay. Allerdings hat sie das vor unserer Zeit schon mal gemacht und es war für sie einfach nichts. Dass wir es auch mit dem anderen Geschlecht tun dürften, ist aber tabu.

Unser Sex ist immer noch bestens, wenn auch von der Frequenz nicht mehr so viel, wie es mal war. Meine Frau hat aber auf der Arbeit auch viel Stress, und da kann ich das verstehen. Ich denke aber, dass sich das in der nächsten Zeit wieder einrenkt.

16

Freitag, 22. März 2013, 14:39

Hallo vanbu

Soeben in der Kaffeepause las ich Deine Geschichte.

Willkommen hier im Forum.

Ich hatte von Juni 1992 bis Dez. 2003 eine Beziehung zu einer Frau (diese 1. Frau habe ich erst mit 32 Jahren kennen gelernt).
Vorher erst spät mit 27 Jahren - kurz mit 17 jahren, meine Neigung zu Männer mit dem 8 Jahre älteren Nachbarssohn entdeckt.
Ich verheimlichte diese Beziehung zu diesem 8 Jahre älteren Nachbarssohn von meiner Freundin, dass ich mit ihm SEX habe.
Ich habe während der Beziehung zu der Frau - nur mit ihm SEX.
Dummerweisse wollte es, dass ich in der 2 Beziehung zu einer FRau von März 2004 - Jan. 2005 es ihr erzählte und auch meinen Eltern.
Ich musste mit meinen Eltern zum Reden zu ihm. Das war für mich die schlimmste Zeit.
Ich hatte mich bei Alt-Opel- und Ford-Kollegen geoutet im Dez. 2003, denn ich dachte der eine oder andere wäre auch so - seitdem meiden sie mich.

Ich wünsche Dir auf alle viel Glück.

Gruss
Jean-Pierre
Oldtimer-/Youngtimer-Liebhaber
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