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Samstag, 20. September 2014, 16:59

Bisexuelle Vorstellungen/Realität

Hallo zusammen

Mich interessiert, wie andere Bisexuelle ihre Bisexualität wahrnehmen, welche Bedürfnisse sie haben und wie sie diese mit ihrem Partner oder ihren Partnern managen. Es gibt eine ganze Bandbreite von "ich will single bleiben, aber vögeln mit allem, was Homo Sapiens zu bieten hat" über "ich will eine treue lebenslange Beziehung mit einer einzigen Person beliebigen Geschlechts" bis "ich will offene Beziehungen mit mehreren Personen aller Geschlechtsidentitäten". Mich interessiert, wie diese "Modelle" unter den Bisexuellen verteilt sind, auch im Vergleich zu anderen sexuellen Orientierungen, wie sie es in die Realität umsetzen und wie sich ihre Idealvorstellungen über die Zeit ändern.

Auf interessante Diskussionen,
Djali

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Samstag, 20. September 2014, 19:52

Hallo Djali

für mich trifft folgende Aussage zu:

ich will eine treue lebenslange Beziehung mit einer einzigen Person jedes Geschlechts.

Das heisst eine Frau und ein Mann. Meine Partnerin weiss davon und hat keinen Einwand, solange ich Sie nicht vernachlässige. Meine Partnerin geht klar vor..

Ich hatte bisher nur zu einem einzigen Mann eine sexuelle Beziehung und diese dauerte, mit kleinen Unterbrüchen, von 1997 - 2007. Das Bedürfnis / Sehnsucht nach einem Partner ist seit Juni wieder da, wegen eines Traumas, dass ich im Moment therapeutische verarbeitet.

Gruess Lorax

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Samstag, 20. September 2014, 20:11

Danke für deine Antwort. Ich wünsche dir alles Gute mit deiner Therapie!

Dabei ist mir aufgefallen, dass ich mein eigenes "Ideal" schuldig geblieben bin. Früher hätte ich mich klar zur zweiten von mir erwähnten Gruppe gezählt, wenn auch das "lebenslang" mit dem Kommentar "wenn ich reif dafür bin" versehen. Mittlerweile sehe ich das anders. Ich würde gerne meinem Partner alle Freiheiten lassen, und ich würde mir eine Situation wünschen, in der ich alle Freiheiten habe. Das heißt nicht, dass ich in meiner treuen Beziehung unglücklich bin, ich bin anpassungsfähig und wenn sie meine Treue will, dann bin ich ihr treu. Ich weiß nicht, ob ich für etwas Offenes überhaupt stark genug wäre. Mehrere Partner kann ich mir schwer vorstellen, da ich noch nie das Bedürfnis danach hatte. Aber gut, ich bin jung, viel kann noch passieren...

4

Dienstag, 23. September 2014, 18:26

Uii eine interessante Fragestellung. Ich hab definitiv schon mal die Hälfte aller möglichen Modelle durch: Alles von " wasnach Homo Sapiens aussieht und nicht bei 3 auf den Bäumen ist (17j)" über mehrere Partner(21j), Hauptpartner-Nebenpartner, kurze schöne Zeit als geschlossene Triade(24j), und jetzt bin ich sogar in der Monogamie gelandet (Freundin).

Das einzige das ich weiss ist dass ich nichts weiss. Ich gabs aufgegeben DIE eine Form für mich zu finden, falls ich was finde das stimmt dann wird das nicht ewig so bleiben. Ich war immer übelst gegen Monogamie und hab richtig die Poly-Lebensweise gepredigt (ne Zeitlang) und gugge da was jetzt grad so bei mir los ist. Da muss ich doch schon über mich selbst schmunzeln.
Nicht nur "ein bisschen" sondern ganz und gar - Vielen Dank, Ende der Durchsage

5

Mittwoch, 24. September 2014, 08:23

@Djali



Vorerst ein herzliches Willkommen von meiner Seite her hier im Forum.

Bei mir war es so: Da ich mit 17 und erst ab dem 27 Altersjahr, da ich bis damals noch keine Freundin oder mit Frauen SEX hatte, mit dem 8 Jahren älteren Nachbarssohn meine homosexuelle Seite kennen gelernt habe, welch ich mit ihm

bis Febr. 2004 im heimlichen auslebte, obwohl ich erst mit 32 Jahren dann das andere Geschlecht kennen gelernt hatte und mit ihr bis Dez. 2003 zusammen war. Sie wusste nicht von meiner Neigung.

Meine Freundin, welche ich erst sei 2.07.2010 kenne, habe ich ihr erzählen müssen, denn meine Mutter drohte es meiner Freundin zu erzählen, dass ich gerne SEX mit Männer habe.

Im Moment lebe ich meine Neigung nicht mehr aus, die Sehnsucht ist da, bzw. mit meiner Freundin hatte ich SEX am 29.07.2012, als sie stock betrunken war. Seitdem nie mehr.

Was ich mir wünsche wäre wieder einen (nur) einen Freund, bisexuell, etc, um meine Neigung wieder auszuleben.

Denn mit dem 8 Jahre älteren Nachbarssohn hatten auch das gemeinsame Hobby: Autos, Oldtimer - zum Fachsimpeln.
Oldtimer-/Youngtimer-Liebhaber
DAB+-Autoradio-Fan (Radio hören im Auto ohne Rauschen, in CD-Qualität)

6

Donnerstag, 20. November 2014, 23:38

Liebe Djali

Danke für deine sehr interessanten aber auch ellenlangen Wusch :)
Tatsächlich glaube ich dass Wunschvorstellungen und Realitäten gerne auseinander driften. Solange es nur Wünsche oder Fantasien sind, ist ja ganz viel Möglich. In der Realität erscheinen dann die Begrenzungen, Ecken und Kanten des Lebens.

Ich selbst lebte in mehreren monogamen, heterosexuellen Beziehungen, die Letzte dauerte über 14 Jahre. In dieser Zeit wurde ich Vater von 2 Kindern. Irgendwann in dieser Zeit entwickelte sich in mir eine gewisse Attraktion für Männer. Diese habe ich über Jahre gerne verdrängt, bis zu dem Moment wo ich es einfach wissen wollte ob es blos eine Fantasie ist, oder da tatsächlich etwas reelles dran war.
Als ich dann festgestellt hatte dass es keine Fantasie war, hat's mir ziemlich heftig den Boden unter den Füssen weggezogen. Ich wollte diese langjährige Beziehung nicht gefährden und doch tat sich in dieser homosexuellen Erfahrung etwas auf was ich bis an hin noch nie erlebt hatte.... und es war wunderschön
Mein Wunsch war dass ich die bestehende Beziehung weiterführen konnte, vielleicht mit anderen Bedingungen.
Über mono oder polygame Beziehungen mussten wir uns in all den Jahren nie auseinandersetzen. Es war irgendwie klar auch ok wie es war. Aber da hatte ich jetzt etwas erlebt, das demgegenüber total widersprach und es hat sich trotzdem schön angefühlt. Es gab lange, heftige Auseinandersetzungen, viel Leid, viele Unfähigkeiten kamen zu Tage. Wir, oder korrekterweise ich hatte es einfach verpasst früh genug mich mit meiner Partnerin damit auseinander zu setzen.
Wir haben versucht die Beziehung zu öffnen. Manchmal war es gut und schön, manchmal wurde es eng und unangenehm. Ich hatte einen festen Freund, er war mir wichtig. Er gab mir das Gefühl mich zu verstehen, es entstand Geborgenheit wie ich sie in dieser Art mit einem Mann noch nie erlebt hatte. Natürlich floss in dieser Zeit ein teil meiner Energie in eine andere Richtung. Das fiel meiner Partnerin schwer. Sie wollte mehr von mir, eigentlich wollte sie mich gar nicht teilen. Sie wollte meine ungeteilte Aufmerksamkeit, oder keine Beziehung mehr zu mir. Ich wär in dieser Phase kompromissbereit gewesen, habe angeboten den physischen Kontakt abzubrechen (was über eine gewisse Zeit auch stattgefunden hat), aber die Kommunikation ganz zu kappen, das hätte ich nicht ertragen.
So kam es dass wir uns getrennt haben und jetzt nach über drei Jahren getrennt leben, gerichtlich geschieden wurden. Wir haben eine schöne Freundschaftliche Verbindung und sehen uns regelmässig.

Nun lebe ich seit 5 Jahren in einer homosexuellen Beziehung. Ich habe viel gelernt in Vergangenheit. Meine Bedürfnisse definiert zu wahrzunehmen und diese entsprechend zu kommunizieren ist eine Lebensqualität. Offene Gespräche, ehrlich kommuniziert (auch wenn es manchmal unangenehm zu werden droht) sind mir wichtig. Wahrnehmungen und Meinungen können verschieden sein und bedürfen der Klärung. Liebe ist die Kraft in der ich versuche zu leben (schon wieder ein Wunsch ;) ). Liebe zu mir und Liebe zu meinen Mitmenschen. Für viele Menschen empfinde ich Liebe.
Manchmal kann es aber auch geschehen dass ich mich verliebe, dass ich mit dieser Person Zeit verbringen möchte, mir vielleicht auch deren Nähe Wünsche.
Wenn ich es nicht besser wüsste, ich würde schreiben dass ich mir polyamoröse Beziehungen wünschte. Beim Versuch so etwas anzustreben erlebe ich jedoch dass es mit sehr viel kommunikativen und organisatorischen Aufwänden verbunden ist. Ich kann offen, ehrlich und verständnisvoll sein und trotzdem mit meinem Verhalten andere Menschen kränken. Möchte ich das meinen liebsten Mitmenschen antun ? Möchte ich mir das antun ? Faktisch lebe ich jetzt in einer monogamen homosexuellen Beziehung.

Kannst du etwas damit anfangen ?
---------- May the force be with you ----------

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Sonntag, 23. November 2014, 00:19

Lieber Guru,

vielen Dank für deine Antwort. Es ist intereressant (besonders für mich, die ich noch jung und dumm bin ;-)) zu lesen, wie sich die Biographien anderer Bisexueller Leute entwickeln.

So wie ich dich verstehe, war es bei dir nicht so, dass sich im Zuge deines inneren Coming Outs dir auch gleich eine bevorzugte Art herausentwickelt hast, diese zu leben. Ich verstehe deinen Text so, dass du nach deiner Trennung von deiner Frau nicht nach etwas Bestimmtem gestrebt hast, sondern mehr in den Situationen, in die dich das Leben geführt hat, dich zurechtgefunden hast. Dass du vielleicht Polyamourösität als dein "persönliches Ideal" siehst, aber eines, das unerreichbar ist (vielleicht ein bisschen so, wie ich irgendwann Beethovens Violinkonzert spielen möchte, aber so viel Talent hab ich einfach nicht).

Ich möchte noch kurz darauf eingehen, dass das Wort "Ideal", das ich hier gern verwende, bitte nicht missverstanden wird: Ich rede keinesfalls von einer Art von Ideal, dass man auf andere Menschen übertragen kann oder möchte, sondern was man für sein eigenes Leben als, utopischer oder realistischer, "bester Fall" sieht.