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Freitag, 25. Juli 2014, 15:03

Am rande der Verzeiflung

Hallo an alle,



hoffe, dass ich mit meinem Thema hier am richtigen Ort bin. Kurz zu mir, ich bin 38 Jahre alt und hab mir selbst immer vorgemacht, dass ich bi bin, rein aus Gewissensberuhigung. Hatte auch immer wieder Abenteuer mit Männern, verliebte mich auch ab und an in wem, jedoch ausschließlich in Heteros. Bis zu dem Mai diesen Jahres, da lernte ich über eine Internetplattform einen Mann kennen und es machte BUM. Liebe auf den ersten Blick, ich erkannte mich selbst kaum wieder und war erstaunt zu welchen Gefühlen ich fähig bin. Er fand mich auch sympatisch und schnell kam es zu einem zweiten Treffen, bei dem es dann auch zum ersten sexuellen Kontakt kam. Vorab gibt es zu sagen der Mann ist Bi, verheiratet und hat einen 17 jährigen Sohn, er ist ungeoutet und betriebt sein "zweites" Leben aktiv seit 1999. Da er unter der Woche nicht bei seiner Familie ist, kann er sich seine beiden Leben gut einteilen.

So wie es nun gekommen ist haben wir beide uns ineinander verliebt und haben seitdem jede mögliche freie Minute miteinander verbracht. Für mich ist es das absolute Hochgefühl, da ich zum ersten mal in meinem Leben liebe erfahre, mir ist auch deutich bewußt geworden, dass ich schwul bin. Es fühlt sich für mich an, als wäre ich eine trockene ausgedörrte Steppe und der Mann ist der Regen der mich zum aufblühen und zum wachsen bringt. Durch ihn hab ich soviel Lust auf leben bekommen, bin neugierig und sauge die Partnerschaft wie Luft in mich auf. Er suchte eigentlich nur einen Sexkumpel, hat sich aber auch in mich verliebt, nach seiner Aussage. Wir verbringen jede möglichem abend und Nacht zusammen, waren sogar schon drei Tage zusammen im Urlaub. Es gilt für mich halt immer zu hoffen, dass es sich um eine "gute" Woche handelt, d.h. seine Frau kommt nicht zu besuch unter der Woche und wir haben die abende von Montag bis Donnerstag. Freitag bis Montag in der früh fährt er immer nach Hause. Eine schlechte Woche ist für mich ist dann, wenn seine Frau am Mittwoch zu besuch kommt und bis Freitag bei ihm bleibt.

Die beiden sind seit knapp 25 Jahren zusammen und seit 22 Jahren verheiratet, nach seiner aussage hat er seine Frau nicht geliebt, sondern hat sie im laufe der Zeit lieben gelernt.#

So das mal zu den Rahmenbedingungen, wie es nun kommen mußte habe ich mich unsterblich in den Mann verliebt und leide wie ein Hund an Tagen an denen wir uns nicht sehen. Was im Moment das größte Problem für mich ist, sind die anstehenden Sommerferien hier bei uns in Bayern. Seine Frau ist Lehrerin und somit haben sie nun 6 Wochen und 4 Tage in denen sie zusammen sind, das ist für mich ein nicht u überbrückender Zeitraum.

Er ist mittlerweile wie die Luft zum Atmen für ihn, ich hab mich vollends in der Liebe aufgegeben und warte nur noch auf die Treffen, ohne ihn geht's mir dermaßen beschissen, dass ich zu einem normalen Leben nicht mehr fähig bin. Ich hab auch bereits mehrmals das Thema angeschnitten, dass ich was ganzes mit Zukunft will, dass kann er mir aber nicht bieten, nicht mal den kleinsten Strohhalm kann er mir geben. Es ist Liebe vorhanden auch bei ihm, aber er liebt auch seine Frau und seine Familie. Er hätte kein Problem damit schwul zu leben, aber er ist sich sicher, dass er ohne seine Frau nicht glücklich sein würde. Ein erwischt werden, sich seiner Frau gestehen oder dergleichen würde nicht nur die Beziehung zu seiner Frau zerstören, sondern auch unsere wirklich schwer belasten und er glaubt nicht, dass sie dann noch weiteren bestand hat.

Mittlerweile bin ich bereits in psychologischer Behandlung, da es für mich nicht mehr zum ertragen ist, ich lebe nur noch für die Abende und die Zeit mit ihm, der Rest meines Lebens ist grau und farblos und ich kann mich nicht mehr dafür begeistern. Warum kann ich nicht glücklich damit sein, einen Mann gefunden zu haben, der mich liebt, der sich um mic sorgt, der gerne mit mir zusammen ist, halt aber nicht immer und jeden Tag kann.

Mir drängen sich die Fragen auf wie kann er seine Gefühle spalten zu seiner Frau und zu mir, natürlich stehen da 25 Jahre vs 3 Monate, natürlich ist mir auch klar, dass er alles hat, 7 Tage die Woche wird er entweder von mir oder von ihr geliebt, begleitet, gelebt.

Es ist schwierig, dass alles detailliert aufzuschreiben, da in meinem Kopf nur noch Chaos herrscht. Ich habe für die Tage die wir zusammen sind einen Schlüssel für seine Wohnung, ich bin auch immer alleine in seiner Wohnung bis er von der Arbeit kommt, mich sehen die Nachbarn, er spricht mit den Nachbarn auch wenn wir zusammen auf dem Balkon sind, er küsst mich auch in der Öffentlichkeit, natürlich schauen wir erst ob wir alleine sind, er hat auch schon seiner Frau von mir erzählt, dass ich ein neuer Sportkumpel von ihm bin um eventullen Fragen der Nachtbarn an seine Frau vorzubeugen, jedoch gehe ic abends ins Haus und verlasse es morgens mit ihm oder halt später alleine. Ich war bei ihm auf der Arbeit, wir machen viel Programm zusammen.

Ich gestehe ihm oft meine Liebe und bekomme auch immer wider auf die Aussage "ich liebe dich" die Antwort, "ich dich auch". Er genießt die Zeit mit mir, ich tue ihm gut, es ist schön. Auch wenn sich mittlerweile ein wenig der Alltag einschleicht und er ab und an gereizt ist, da er mit seiner Arbeitet (leitende Funktion) nicht mehr nachkommt. Er meinte erst gestern, dann müssen wir halt mal einen Tag aussetzten, damit er möglichst viel wieder aufarbeiten kann, ich meinte dazu ob er das wirklich will, das verneinte er.



Fakt ist: ich liebe ihn unsäglich und bin ohne ihn nicht mehr lebensfähig, e hat auch Gefühle für mich, ist aber auch sehr gerne bei seiner Frau und seinem Sohn. Er hat nicht das verlangen eine der beiden Seiten aufzugeben, was für mich ein stich ins Herz ist. Ich hab uch bereits überlegt ob ich es aus Selbstschutz beenden soll, aber das käme einem Todesurteil für mich gleich. Ich bin sauer auf mich, dass ich es nicht so schaffe wie er, einfach die guten Momente zu genießen und in der anderen Zeit mein normales Leben zu führen, ich hasse mich für die Eifersucht auf die Zeit und auf seine Frau, ich zerbreche an dem versteckt sein, ichb in so glücklich mit ihm, dass ich es am liebsten laut in die Welt schreien würde, ich will ihn meinen Freunde vorstellen, meiner Familie, aber am Wochenende ist bei ihm Familihnzeit. Er kann es strikt trennen und freut sich auch auf die Wochenenden bzw auf die Ferien, ihm fällt es nicht schwer, für mich ist es mehr als schmerzlich die täglichen Telefonate mit seiner Frau immer um 22 Uhr mitzubekommen. Ich glorifizieren ihn, hab ihn zum Mittelpunkt meines Lebens gemacht und hab nur noch eine scheiß angst vor der Zeit ohne ihn.

Warum sucht sich jemand einen Geliebten, dann muss zuhause ja was fehlen, oder ist es wirklich nur de Wunsch auf das andere Geschlecht? Wie kann ich den Mann für mich gewinnen, wie schaffe ich es die Zeit zu überbrücken bzw. durchzuhalten um überhaupt zu sehen ob er sich mal für mich entscheidet. Mittlerweile nehme ich bereits Neuroleptika, weil meine Liebe zu ihn bereits wahnhaft ist. Wie kann ich mich wieder drosseln?

Ich selbst habe ihn gebeten, als er merkte seine Gefühle steigen an, den Kopf auszuschalten und sich treiben zu lassen, nun meinte er ist es zu spät. Fakt ist, wenn es mir unterm Strich mehr schlecht ohne ihn geht als mit ihm muss er reagieren, weil er nicht will, das es mir schlecht geht, genauso will er nicht seine Frau verletzten.

Auf die Frage, was ist wenn er erwischt wird, ob ich dann abgeschossen werde um seine Ehe zu retten, oder ob er dann bei mir bleibt, wollte er mir keine Antwort geben. Mir sind schon viele Gedanken durch den Kopf gegangen die eine Entscheidung herbeirufen würden, wie zB ein anonyme Hinweis an seine Frau, aber hab ich nicht gemacht, weil es das sicher ende für uns bedeuten würde.

Bei dem schweren Gespräch meinte er auch, seine Verliebtheit ist verschwunden, dass er grinsend in der Arbeit sitzt, dass er es nicht erwarten kann mich zu sehen usw., jetzt ist es Liebe er verbringt gerne Zeit mit mir und es ist keinen falls nur ein reines Sexdingens, man kann es schon eine Form von Beziehnung nennen, nur mir ist es zu wenig. Er sagte wir haben viele gemeinsame Schnittpunkte in unseren Vorstellung und Decken uns in den meisten Bereichen, lediglich zeitlich gehen wir stark auseinander.

Ich hab Angst mich komplett zu verlieren, ich will nicht nur noch mit Medikamenten lebensfähig sein, aber ich KANN und WILL auch nicht ohne ihn sein. Gibt's es noch mehr Menschen wie mich die in einer ähnlichen Situation stehen und eine Lösung gefunden haben? Gibt es Wege damit er sich mal für mich entscheidet? Wie kann ich ein Partner auf Augenhöhe bleiben und auch die Zeit ohne ihn wertvoll bzw. einfach lebensfähig zu gestallten, wie bekämpfe ich die unbeschreibliche Sehnsucht nach ihm, wie ersticke ich die Eifersucht gegenüber seiner Frau und auf ihre gemeinsame Zeit?

Heute haben wir noch eine gemeinsame Nacht, morgen früh heißt es bis Montag abend abschied nehmen und ab Dienstag sind Ferien und er kann für die nächsten 6 Wochen und 4 Tage nichts konkretes sagen, Wir leben immer in Abhängigkeit seiner Frau, ihm stört das nicht und mir bricht es das Herz und die Seele.

Für euch hört sich das sicherlich lächerlich und leicht überschaubar an, aber für mich sind zB. die 58 Stunden von Samstag Morgen bis Montag Abend ein Zeitraum, der leer vor mir liegt, Lediglich Panik, Heulkrämpfe, Sehnsucht und Verzweiflung besuchen mich und gehen nicht mehr weg.

Wie kann ich leben mit dem Gefühl ich hab zu meinem bisherigen Leben einfach den Zuckerguss bekommen und nicht daran verzweifeln, dass ich mehr will und es nicht haben kann.

Danke fürs zuhören

lg

bi_urself

unregistriert

2

Samstag, 26. Juli 2014, 10:52

Hallo Louis & willkommen hier!

Erstmal will ich vorausschicken, dass alles, was ich jetzt schreibe, meine Eindrücke sind und ich sie nicht als allgemeingültig verstanden wissen will. Da ich dich und deinen Freund nicht kenne, werden viele Aussagen sicherlich nur Vermutungen sein.

Dass du schon in psychologischer Behandlung bist, finde ich sehr gut! Denn das, was du beschreibst, klingt (zunächst mal ganz unabhängig von eurer beider sexuellen Orientierung) einfach nicht gesund. Du scheinst immer mehr in eine emotionale Abhängigkeit zu straucheln, die dir nicht gut bekommt. Wenn du daran zu knabbern hast, die Zeiten ohne deinen Freund sinnvoll zu nutzen oder zu genießen, dann liegt schon was Grundlegendes im Argen. Auch wenn man in einer (wie auch immer gearteten) Beziehung lebt, sollte man trotzdem immer noch als Individuum existieren können und sein Leben leben wollen. Meine Frau und ich sagen auch bei aller Liebe, dass wir zwar nicht mehr ohne einander leben wollen, es aber durchaus könnten. Es ging ja vorher auch. Wenn man aber sein persönliches Glück so sehr auf einen anderen Menschen projiziert, dann kann das einfach nicht gesund sein.

Was ich jetzt über deinen Freund schreibe, sind auch "nur" Mutmaßungen, die auf meinen eigenen Erfahrungen basieren. Aber wenn du schreibst, dass dein Freund anfangs nur einen Sexpartner gesucht hatte, dann hege ich die Vermutung, dass er auch nach wie vor genau das primär möchte. Es mag sein, dass er deine Gesellschaft genießt, aber wenn er dir hin und wieder sagt, dass er dich "auch liebt", dann klingt das für mich eher danach, dass er dich mehr oder weniger hinhalten will. Du musst dir vor Augen halten, dass er scheinbar bi ist. Das heißt, er sucht eben die Nähe zu beiden Geschlechtern, ob nun "nur" sexuell oder auch emotional. Deswegen wird auch wahrscheinlich nichts, was du tust oder sagst, irgendwas an der Beziehung zu seiner Frau ändern.

Was du erlebst, ist die klassische Geliebte/Geliebter-Geschichte: Du willst mehr, aber ihm reicht die Situation, so wie sie ist, vollkommen aus. Zumal er ja bi ist. Stell dir einfach mal vor, was passieren würde, wenn er nur mit dir zusammen sein würde. Meinst du nicht, dass er doch irgendwann wieder auf die Suche nach einer Affäre mit einer Frau gehen würde - und du dann der Betrogene wärst? Einfach aus dem Grund, weil er bi ist?

Meine Einschätzung ist, dass du ihn bzw. seine sexuelle Orientierung nicht wirst ändern können. Bei den Männern, mit denen ich bisher Kontakt hatte, war es immer so, dass sie lediglich auf der Suche nach einem Sexualpartner waren und das Ausleben ihrer Bisexualität als "Ergänzung" angesehen haben.

3

Samstag, 26. Juli 2014, 23:27

Lieber Louis

Danke für Deine Offenheit und das Vertrauen, dass Du unserem Forum entgegenbringst.

Ich kann Dich sehr gut verstehen, war ich doch vor etwa fünf Jahren in einer ganz ähnlichen Situation wie Du. Ich lernte damals meinen jetzigen Freund kennen. Wir waren beide verheiratet und haben beide Kinder. Mein Sohn war allerdings schon 20, die Kinder meines Freundes waren wesentlich jünger. Es war ein richtiggehendes „Coup de Foudre“ (Liebe auf den ersten Blick) für mich, und auch mein Freund entwickelte bald sehr starke Gefühle für mich.

Meine Frau, die von Anfang an von dieser neuen Begegnung wusste, ertrug dies nicht, und wollte sich so bald als möglich scheiden lassen. Wir trennten uns, und so lebte ich alleine, so wie Du offensichtlich auch.

Mein Freund brauchte einige Zeit, bis er offen mit seiner Frau sprechen konnte, und sie reagierte anfänglich auch mit Verständnis. So kam es, dass ich fast zwei Jahre lang in einer ähnlichen Situation war, wie Du es zu sein scheinst. Es ging mir wie Dir. So vieles in mir wurde lebendig und farbig durch diese Verliebtheit, doch die Zeiten in denen ich alleine war fühlten sich grau und schal an, ich hatte unendliche Sehnsucht nach meinem Freund und es schien mir, dass ich ohne ihn gar keine Lebensfreude mehr finden konnte, es in den Zwischenzeiten für mich nur noch ums Überleben ging, ich gar nicht mehr fähig war, glücklich und zufrieden mein Leben ohne ihn zu leben.

Ich war mir auch über mehr als zwei Jahre nie sicher, ob er sich zu Gunsten seiner Familie nicht doch gegen unsere Liebe entscheiden würde, lebte also in steter Ungewissheit. Wir hatten mehrere Krisen, in denen wir uns trennten, um dann nach einiger Zeit doch wieder zusammenzufiden.

Ich erzähle Dir dies alles, um Dir zu zeigen, dass ich Deinen momentanen Gefühlszustand durchaus verstehe und nachvollziehen kann, und möchte Dir aufzeigen, wie ich es geschafft habe, zu mir selber und meinem inneren Gleichgewicht zurückzufinden.

Das Erste was ich lernen musste, ist für mich selber gut zu sorgen, in den Zeiten, in denen ich alleine war. Sorgfältig für mich einzukaufen, damit ich alles im Hause hatte, was es braucht, genauso wie ich das früher für meine Familie gemacht habe. Ich lernte für mich selber so gut und sorgfältig zu kochen, wie ich das für andere Menschen stets getan habe. Ich lernte mir meine Umgebung so zu gestalten, dass ich mich darin wohlfühlen konnte, habe mich bescheiden aber schön eingerichtet, aufgeräumt und geputzt, mich selber gepflegt. Dieses für mich selber sorgen zu können gibt mir noch heute das Gefühl von Unabhängigkeit und Selbständigkeit.

Dann habe ich angefangen, mich nach Aussen zu richten. Habe Gruppierungen und Menschen gesucht, die spezifische Interessen mit mir teilen, wie z. B. die Bi-Gruppe, die ich seit Jahren leite, aber auch Engagements im alternativ-politischen Bereich.

So habe ich gelernt, die Zeiten, die ich nicht mit meinem Freund zusammen sein konnte zu überbrücken, und dabei zufrieden und ausgefüllt zu sein.

Wir verbringen zwar sehr viel Zeit miteinander, und unternehmen auch viel zusammen, aber wir leben immer noch getrennt. Das heisst ich in einer Wohngemeinschaft, und mein Freund in einer Wohnung. Seine Kinder sind sehr viel bei ihm, und er unternimmt mit ihnen auch ohne mich immer wieder Ausflüge und kurze Ferien und ist auch sonst manchmal gerne mit den Kindern alleine oder ganz für sich, damit er Liegengebliebenes aufarbeiten kann, oder mal für sich ganz alleine, unabhängig von mir, ein Erfolgserlebnis hat.

Ich habe mich immer wieder gefragt, wieso ich mir ausgerechnet einen Freund gesucht habe, der immer wieder „keine Zeit für mich hat“, andere Prioritäten setzt als unser Zusammensein. Oft ärgere ich mich über mich selber, wenn ich in so einer Zeit depressiv herumhänge und ein Gefühl von Lust- und Mutlosigkeit aufkommt. Ich denke, dass das was ich in dieser Beziehung lernen musste, und immer noch am Lernen bin, ist die Tatsache, dass die Beziehung zu mir selber die einzig „sichere“ Beziehung ist. Die einzige, die mir ein Leben lang bleibt, und dass ich die ausbauen und verstärken muss, ohne dabei bitter oder zynisch zu werden. Denn es gehört zu jeder Beziehung, dass es Phasen der Nähe und Distanz gibt, und es wichtig ist, dass sie wie Wellen kommen und gehen dürfen, damit eine Beziehung lebendig bleibt, auch wenn die Verliebtheit sich langsam in Liebe wandelt.

Ich hoffe, dass ich Dir mit meinen Ausführungen zeigen konnte, dass es durchaus einen Weg aus Deinem jetzigen Dilemma gibt. Es ist zwar ein schwieriger, denn es ist Arbeit an sich selber, und das Aufgeben der Meinung, dass der Andere sich so ändern sollte, oder so verhalten, dass man selber „glücklich“ wird. Ich habe begriffen, dass es niemanden zu geben braucht, der meine Bedürfnisse befriedigt. Dass es aber wunderbar und bereichernd ist, mit anderen Menschen in Beziehung zu stehen. Besonders wenn dies eine Liebesbeziehung ist.

Ich wünsche Dir alles Gute

Peter

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Sonntag, 27. Juli 2014, 00:21

Hallo

Danke euch beiden für die Antworten. Bi-yourself danke für deine Offenheit und deine Einschätzung. Du hast vollkommen recht, dass mein jetziger gefühlszustand weitab der Norm liegt und das Leiden und schmachten nicht gut für mich ist. Der offensichtliche Ausweg aus dieser Misere wäre das ganze zu beenden um das probate Mittel "aus den Augen, aus den Sinn" anzuwenden. Jedoch bringe ich das nicht übers Herz, dazu agiere ich einfach zu egoistisch, ich will und kann auf die glücklichen Stunden mit ihm nicht verzichten. Andererseits will ich mir auch nicht die Chance verbauen, egal wie klein die auch sein mag, dass sich das ganze in was ganzheitliches auflösen kann. Die zweite Option ist wie Peter unten beschrieben hat, mich aus diesem selbstzerstörerischen Strudel, in den Zeiten ohne ihn, zu befreien.
Deine Ansichten bezüglich meines Freundes haben mich erschrocken. Jedoch finde Ichbewusstsein gut, dass du mir weitere Sichtweisen auf die Situation aufgezeigt hast, da liebe ja bekanntlich blind macht. Jedoch denke ich, Ostberlin nicht so ein Kerl, der mich durch Vorspiegelung falscher Tatsachen bei der Stange halten will. Das würde sich beißen, mit seiner Aussage, dass wenn es mir in der Summe ohne ihn schlechter geht lasches mir gut mit ihm geht, das ganze zu beenden. Nichts desto trotz entspricht es der Wahrheit, dass er seine Frau im Laufe der zeit lieben gelernt hat und gerne mit ihr zeit verbringt. Sie sind im Laufe der Jahre zusammengewachsen und ergänzen sich sehr gut, weiters kann er mir nicht den kleinsten Strohhalm bieten, der für mich eine rosigere Zukunft beinhaltet. Doch glaube ich immer noch an das Herz und hoffe auf faire Weise, dass es doch irgendwann zu einer adäquate Lösung für alle Beteiligten kommen kann. Das er sich sexuell von anderen Frauen angezogen fühlt, kann ich so nicht unterschreiben, ja er schläft noch mit seiner Frau ca. Alle 10 Tage, da er merkt, dass es ihr gut tut und somit ihnen gut tut. Er ist generell ein Mensch der auf Berührungen steht, somit funktioniert das alles noch bei ihm. Generell schlafen sie getrennt, dass soll bedeuten wenn sie eingeschlafen ist, verlässt er das Bett, da er für sie zu heiß ist und sie seine Bewegungen und sein Atmen nicht in der Nacht mag.
Aber was durchaus der Realität entspricht ist, dass er momentan alles hat was er sich wünscht. Frau, fast erwachsenen Sohn, Haus und Hund und in seinem schattenleben 2 h von seinem Zuhause mich. Aber für das geht er viele Risiken ein, Nachbarn, küsse in der Öffentlichkeit, Berührungen im Kino usw.

Peter dir will ich auch danken, dein post macht mit und Hoffnung, du hast vollkommen recht, ich muss mein leben wieder in die Hand nehmen und strukturieren. Dummerweise habe ich jetzt im August 4 Wochen frei, was die Tage ohne ihn sehr lang machen und kaum zu füllen sind, weiters ist es jetzt noch wirklich schwer diese übermächtige Sehnsucht und Traurigkeit auszutricksen, da alles noch so frisch ist und eben genau jetzt der große Blick der Sommerferien vor der Tür steht. Aber deine Geschichte macht Mut und Hoffnung. Gerne würde ich solchecselvdthilfegruopen besuchen, aber aus Ermangelung an Möglichkeiten hier auf dem Land habe ich mich andienest Forum gewendet. Deine Tipps und Tricks nehme ich mir zu herzen und hoffe, dass meine Geschichte ein ähnliches happy end nimmt wie deine.

Beste Grüße und danke

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Montag, 28. Juli 2014, 09:46

Hallo Louis

Herzlich Willkommen hier im Forum.

Es ist schön, wie Du das erzählt hast.
Oldtimer-/Youngtimer-Liebhaber
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