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Samstag, 7. September 2013, 13:17

Brauche Rat!

Hallo Leute,



ich habe folgendes Problem: ich bin mir meiner sexuellen Orientierung nicht im Klaren!

Zu meiner Geschichte: ich bin männlich, 22 Jahre alt. Seit der Pubertät
befriedige ich mich auf Männer selbst, ich hatte noch keine intimen
Kontakte zu Männern, die Selbstbefriedigung beschränkte sich lediglich
auf Pornos und meine Phantasie. Zu Frauen hatte ich allerdings schon
intime Kontakte, ich habe mich schon desöfteren in Frauen verliebt und
hatte auch Sex mit einer Frau. Die Sache ist nun folgende, ich hätte
schon mit mehreren Frauen Sex haben können, allerdings hab ich dann,
wenn es zur Sache ging, einfach keinen hochbekommen. Ich weiß halt
nicht, aus welchem Grund ich keinen hochbekommen habe. Liegt es daran,
dass ich nicht auf Frauen stehe? Ich muss dazu sagen, dass ich tierisch
Angst habe, mit Frauen intim zu werden bzw. mit einer Frau eine
Beziehung einzugehen bzw beim Intimwerden mit einer Frau,
herauszufinden, dass ich nicht auf Frauen stehe. Es sind also große
Ängste bzgl Intimität zu Frauen vorhanden und zwar in jederlei Hinsicht!
Vor allem setze ich mich selbst sehr unter Druck, das heißt, wenn ich
mit einer Frau rummache, achte ich sofort darauf ob ich ne Latte bekomme
oder nicht, ich versuche auch ständig zu erzwingen, dass ich hübsche
Frauen auf der Straße sexuell anziehend finde. Wenn ich mir in Gedanken
vorstelle, mit einer Frau intim zu werden, erregt mich das manchmal,
manchmal aber auch überhaupt nicht. Wenn ich diesselben Gedanken mit
Männern durchspiele, bekomme ich sofort eine Erektion. Beim
Selbstbefriedigen denke ich eben auch nur an Männer, allerdings habe ich
mich in Männer noch nie verliebt und könnte mir eine Liebsbeziehung zu
einem Mann auch nicht vorstellen. Wie gesagt, bisher habe ich mich nur
in Frauen verliebt. Sexuell fühle ich mich aber von Männern stärker
angezogen... Könnt ihr vielleicht ein wenig Licht ins Dunkle bringen?
Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Zu welchem Geschlecht fühlt ihr
euch sexuell stärker angezogen? In welches Geschlecht verliebt ihr euch
eher? Wäre nett, wenn ihr ein paar Tipps/Ratschläge hättet für mich :)

Danke im Voraus!

Liebe Grüße

Matze :)

2

Sonntag, 8. September 2013, 19:32

Hallo Matze

Offensichtlich löst deine Angst eine Blockade aus die es wiederum verunmöglicht dich einer Frau unvoreingenommen anzunähern.
Vielleicht versuchst du mal dieser Angst nicht so viel Platz einzuräumen. Ich weiss, das ist einfacher gesagt als getan, schlussendlich
aber der Schlüssel zu einem natürlicheren Umgang.
Ist es möglich dass du diese Angst entwickelt hast weil du wie geschrieben Erlebnisse hattest mit Frauen, diese dich aber nicht in dem
Mass erregt haben wie es hätte angemessen sein sollen ? Oder hat da deine Angst bereits mitgespielt ?
Vielleicht ist es ja auch so dass dir eine Frau, wenn ihr intim werdet, tatsächlich nicht so zusagt wie du dir vorstellst/wünschst oder
in deiner Fantasie stattfindet.
Du schreibst du hättest dich noch nie in einen Mann verliebt. Denkst du denn du könntest das zulasssen aber es ist noch nie geschehen, oder
wehrst du dich dagegen ? Schaust du attraktiven Männern nach ?

Liebe Grüsse
gru
---------- May the force be with you ----------

3

Montag, 16. September 2013, 21:29

Lieber Matze

Danke für Deine Offenheit in der Du Deine Situation beschreibst. Was mir dabei besonders auffällt ist die Diskrepanz dessen was Du im Alltag erlebst und was sich in Deinen sexuellen Fantasien abspielt. Es ist eine schwierige Situation, wenn das was man lebt, oder sich Mühe gibt zu leben, nicht mit dem übereinstimmt, was an Wunschvorstellungen da ist. Das lässt einem, so wie in Deinem Fall, verständlicherweise an der eigenen Identität zweifeln. Du bist auch noch jung, das heisst Identitätsfindung gehört zu Deinem Alter, und ist nicht einfach, wenn man in seinen Wünschen nicht dem entspricht, was einem als Normalität vorgegaukelt wird.

Identitätsfindung ist jedoch nicht etwas was nur in Gedanken oder im Kopf stattfindet. Zur wirklichen Findung gehören ausser Gedanken, Wünschen und Vorstellungen auch Erfahrungen. Denn oft fühlt sich die Erfüllung eines Wunsches dann ganz anders an, als dass es in den Fantasien der Fall war.

Es gehört viel Mut dazu, sich mit dem, was an Begehren in einem lebt, einem anderen Menschen zu öffnen. Trotzdem würde ich Dir empfehlen, zu versuchen das was in Dir lebt vorsichtig und bedacht in Dein reales Leben einfliessen zu lassen. In Deinem Alltag offen zu sein für Begegnungen, sei dies zu Frauen oder zu Männern. Je unverkrampfter und unbelasteter dies gelingt, desto eher findest Du über das Erlebte zu Dir selbst und zu deiner Identität. Versuche möglichst nicht, Dich im Voraus festzulegen, ob Du nun hetero- bi- oder homosexuell bist.

Ich wünsche Dir alles Gute

Herzliche Grüsse Peter

bi_urself

unregistriert

4

Freitag, 21. März 2014, 09:00

Hallo matze!

Ich kann deine Zweifel sehr gut nachvollziehen, weil ich schon seit Längerem ähnliches durchlebe.

Zwar lebe ich schon seit fast 10 Jahren mit meiner Frau zusammen und weiß, dass ich eher auf Frauen stehe als auf Männer, was sich in verschiedenen Verhaltensweisen und Empfindungen äußert. Beispielsweise schaue ich nie einem Mann hinterher, sondern tue das ausschließlich bei Frauen. Ich könnte dir bspw. hunderte Promi-Frauen aufzählen, die ich erotisch anziehend finde, im Gegenzug aber nicht mal eine Hand voll Männer. Bei Männern achte ich eher auf den Körper und gar nicht so sehr auf das "Gesamtpaket". Trotzdem fühle ich mich körperlich zu beiden Geschlechtern hingezogen, allerdings in verschiedenen "Ausprägungen". Ich weiß nicht mehr genau, wer das hier mal in den Raum geworfen hatte, aber die Kinsey-Skala beschreibt diesen Sachverhalt schon sehr gut. Kannst dich damit ja mal beschäftigen, ich persönlich fand es jedenfalls sehr hilfreich.


Der Knackpunkt bei der ganzen Sache ist der, sich letztlich so anzunehmen, wie man eben ist! Von mir kann ich sagen, dass es (immer noch) ein stetiger Prozess ist, aus dem ich viel über mich selbst lerne. Zwar hatte ich bisher noch kein Erlebnis mit dem gleichen Geschlecht, aber ich "arbeite" mehr oder weniger daran, und vor allem versuche ich, die Erwartungshaltung an mich selbst so zu "justieren", dass ich weder von mir selbst noch durch irgendwelche Erwartungen enttäuscht werden kann. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich lerne, das Ganze nicht mehr so verbissen zu sehen und "einfach" auf mich zukommen zu lassen. Fantasie sind das eine, die Realität kann aber schon wieder ganz anders aussehen. Ich schließe auch gar nicht mehr aus, dass es mir mit einem Mann gar nicht so gut gefällt, wie ich es mir in der Fantasie schon seit Jahren ausmale.


Der einzige Tipp, den ich dir geben kann, ist, dass du dein Leben und deine Sexualität auf dich zukommen lassen solltest. Du hast außerdem den Vorteil, dass du noch jung und noch nicht in einem "gehobenen" Alter bist und in einer Ehe oder Beziehung steckst. Du solltest deine jungen Jahre unbedingt ausnutzen, um herauszufinden, wer du bist!

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