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Donnerstag, 23. Mai 2013, 23:47

Freier Fall

Kinostart in D: 23 Mai (2013)
"Das schönste Liebespaar der Berlinale."
"Eine Verwirrung der Gefühle, die einen fatalen Sog entwickelt."
"FREIER FALL beeindruckt mit seiner ausgespielten Körperlichkeit, der gekonnten Beiläufigkeit der Dialoge und einer vibrierenden Darstellungskraft bis in die Nebenrollen."
"Kontrollverlust, der Reiz neuer Erfahrungen, die Liebe samt ihren Konsequenzen. Lacant webt souverän an diesem komplexen emotionalen Geflecht - dessen schönster Moment sein überraschendes Ende ist. Und wie Max Riemelt und Hanno Koffler sich küssen, zärtlich mit Zunge: das sitzt!"

"Karriereaussichten bei der Bereitschaftspolizei, Nachwuchs unterwegs, die Doppelhaushälfte von den Eltern vorfinanziert: Marcs Leben ist gut eingerichtet.
Doch dann lernt er bei einer Fortbildung den Kollegen Kay kennen. Beim gemeinsamen Lauftraining lernt Marc ein neues Gefühl von Leichtigkeit kennen – und wie es ist, Gefühle für einen Mann zu entwickeln.
Hin- und hergerissen zwischen der ihm vertrauten Welt und dem Rausch der neuen Erfahrung gerät ihm sein Leben zusehends außer Kontrolle. Im freien Fall kann Marc es niemandem mehr recht machen. Am wenigsten sich selbst.

FREIER FALL ist junges, kraftvolles Kino aus Deutschland. Ohne zu werten oder seine Figuren zu verurteilen, erzählt Stephan Lacant in seinem ersten Spielfilm das Drama eines Mannes, der aus seiner überschaubaren Welt fällt. Die fulminanten schauspielerischen Leistungen von Hanno Koffler („Die Nacht vor Augen“), Max Riemelt („Napola“, „Die Welle“, „Im Angesicht des Verbrechens“) und Katharina Schüttler („Sophiiie!“) vermitteln auf emotionale Weise, was es heißt, wenn Lebensentwürfe zu Bruch gehen und es keinen Weg mehr gibt, den Menschen, die man liebt, gerecht zu werden."

"Als er auf einer Fortbildung den Polizeikollegen Kay kennenlernt und beginnt, Gefühle für ihn zu entwickeln, wird Marc in seinen Grundfesten erschüttert. Und als Kay sich in seine Hundertschaft versetzen lässt, droht Marcs überschaubares, geregeltes Leben im Chaos zu versinken. Hin und her gerissen zwischen der Liebe zu seiner schwangeren Freundin Bettina und dem Rausch der neuen Erfahrung, verliert er zusehends die Kontrolle. Seine Familie wird ihm immer fremder, doch mit Kay abzuhauen, kommt für ihn auch nicht in Frage. Als Kay eines Tages ohne Ankündigung und mit unbekanntem Ziel von der Bildfläche verschwindet, beginnt Marc zu realisieren, was für ein Loch dieser Verlust in sein Leben reißt. Im freien Fall kann er es niemandem mehr recht machen. Am wenigsten sich selbst."


http://www.freierfall-film.de/index.html
http://www.spiegel.de/kultur/kino/kinost…r-a-901244.html
http://www.berlinale.de/de/archiv/jahres…13_20133963.php

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Mittwoch, 19. Juni 2013, 23:15

Endlich gesehen, auch in der Provinz angekommen.
Der Film hat auch negative Kritik bekommen, und tatsächlich wer im Kino Abenteuer, Aktion, Poesie, phantasievolle Situationen, schöne malerische Bilder sucht, wird sehr enttäuscht sein. Der Film nimmt uns nicht auf pindarische Flüge. Das hier ist nackter Realismus, besser ein Neo-Verismus, unreflektiert und ohne Mythologisierung.
Marc verliebt sich langsam in Kay , und man erlebt wieder was wir aus diesem Forum jeden Tag erleben. Wie er versucht der Attraktion zu widerstehen, wie er von Tag zu Tag immer mehr von seiner Homo-Seite angezogen wird, wie er von Tag zu Tag immer mehr zwischen der Liebe zu seiner Frau und zu dem Freund Kay gespalten ist, wie er die Familie nicht verlieren will, kann. Die Familie, die ihm alles bedeutet - und doch Marc riskiert alles, weil er nicht anders kann. Wie er seine Frau nicht belügt und doch nicht die Wahrheit sagt: „ich habe keine andere Frau!“
Die Körper Sprache von Marc, seine Mimik seine Gesichtszüge, man sieht sich wieder wie in einem Spiegel. Wie kann er es bloß so gut darstellen: diese tiefe Verzweiflung , diese Unsicherheit, diese Reise. Wenn er da sitzt und sein Blick weiß nicht wohin zu schauen, der Kopf gleichzeitig Gedanken leer und voll, wer kennt das nicht, das geht ja unter die Haut. Wenn er Auto fährt und es ihm egal sein kann, ob er gegen eine Mauer mit vollem Tempo knallen kann. Als Bettina ihn verlässt. Man erkennt sich wieder. Und doch poetisch und intim, wenn die zwei Männer sich nackt im Bett liebevoll küssen und lieben. Und Kay, der einfach mit seinem Freund sein will, mit dem Freund der nicht kann weil er Familie hat. Und Bettina, die Frau .. ja, wir erkennen sie auch, und ihr Leiden.
Unsere Spaltung, unsere Zweifel, unsere Ängste, unsere Sorge, unsere Liebe, unsere Erfahrungen und Träumen brauchen gar keine große Worte. Die Dialoge sind einfach, und gleichzeitig schwer. Ein Publikum von Heteros kann mit solchen einfachen Dialogen kaum was anfangen, sie sind wahrscheinlich sogar etwas lächerlich. „Bist du Schwul? - Nein, ich bin nicht Schwul, - was bist du denn ?“ Für uns hat es doch eine ganz tiefe und schwere Bedeutung.
Ja, man muss sich quasi wünschen, den Film mit dem richtigen Publikum zu sehen, weil viele werden es leider nicht begreifen können. In der Provinz, an einem Dienstag eines heißem Sommer Tages, waren wir zum Glück nur 3 Paaren als Zuschauer anwesend. Ein Bisexueller mit seiner Frau, die still und betroffen manchmal versteinert zugeschaut haben, ein Paar (Bi?)-Homosexuellen Männer die hinter uns geweint haben , besonders als Bettina Marc verlässt, und zwei junge Studenten (Mann und Frau) , die bei rausgehen in ihren Spontanität Kommentieren: „ Wieso ist das deutsche Kino immer so realistisch? Man kann sich ja vorstellen dass es so wirklich sein kann“. Sie haben den Film verstanden, wurden mir gleich sympathisch, und ich konnte ihnen innerlich verzeihen, bei dem „Ich bin nicht Schwul“ kurz gelacht zu haben.

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Donnerstag, 20. Juni 2013, 21:50

:thumbup:
Danke für deine Rezension!

4

Dienstag, 25. Juni 2013, 22:05

Zitat, der Film gesehen von einer Heterofrau eines Bisexuellen :

"Ich hatte große Angst den Film anzuschauen, aber letztendlich war es in Ordnung und für mich gut, dass wir ihn zusammen angeschaut haben. Ich habe beim zuschauen schon gemerkt, dass der Film eigentlich für meinen Mann an manchen Stellen fast noch schwieriger war, als für mich, da vor allem und in erster Linie die Konflikte beim Mann, der auf einmal bei sich diese neue Seite entdecken muss gut heraus gearbeitet sind. Die Ablehnung zuerst, das Nichtwahrhaben wollen, das Hin und Hergerissen sein zwischen Frau und Familie, die man doch liebt und dem neuen Verlangen. Und diese Unruhe, dieses fast verrückt werden, als er denkt, er kann auf seinen Freund verzichten und merkt, er braucht da etwas. Ich glaube, da hat sich mein Mann sehr stark mit identifiziert -sich wieder erkannt.
Merkwürdig ist, dass in dem Film nie das Wort "Bi" fällt, wo der Mann es doch eigentlich ziemlich sicher ist.
Lösungsansätze gibt es in dem Film nicht. Höchstens eine mögliche Erklärung für das schnelle Scheitern der Beziehung: das lange Schweigen und Leugnen des Mannes."

Eigentlich, es ist ganz offen in dem Film, ob die Beziehung zu der Frau weiter geht, aber der Zitat zeigt eben, wie unterschiedlich man es sehen und verstehen kann, je nach eigener Position und Blickwinkel.

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