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bi_urself

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Montag, 18. März 2013, 11:40

Wie kommt Bisexualität zustande?

Weil das Thema in einem anderen Thread schon angeschnitten wurde, will ich dazu mal eine eigene Diskussion starten, da es sicherlich ein interessantes Thema ist.

Mein Frage ist: Wie kommt Bisexualität zustande? Spielen äußere Einflüsse eine Rolle? Hat man bisexuelle Tendenzen von Geburt an in sich?

Sicherlich gibt es etliche verschiedene Ansichten und (wwisenschaftliche) Therorien, aber mich würde interessieren, wie Ihr darüber denkt! Vielleicht könnt Ihr auch anhand von Euch selbst eine Theorie aufstellen.

2

Montag, 18. März 2013, 13:42

@bi_urself

Ich finde Deine Thema wunderbar und hoffentlich gibt es viele Antworten und Meinungsäusserungen.

Zu Deinen Frage:

1) Wie kommt Bisexualität zustande? Antwort: Wenn man als Mann schlechte Erfahrungen mit Frauen gemacht hat, interessiert man sich für das eigene Geschlecht, bzw. kommt man Bücher zum Lesen, erst später merkt man, dass wenn man dann eine Frau kennen lernt, auch mit Ihr schönen SEX hat.

2) Spielen äussere Einflüsse eine Rolle? - Meine Eltern waren immer dageben gegen Homos und da interessiert mich halt das sehr.

3) Hat man bisexuelle Tendenz von Geburt an in sich? - Es könnte ja sein, dass die eigene Mutter während der Schwangerschaft div. Sachen macht, etc.
Oldtimer-/Youngtimer-Liebhaber
DAB+-Autoradio-Fan (Radio hören im Auto ohne Rauschen, in CD-Qualität)

3

Dienstag, 19. März 2013, 17:49

Ich zitiere aus dem vorherigen Beitrag kurz so:
"...Wenn man als Mann schlechte Erfahrungen mit Frauen gemacht hat, interessiert man sich für das eigene Geschlecht..."

Also ich hatte auch erst ne schlechte Erfahrung mit nem Mann und mich deshalb erst meinem Geschlecht zugewendet.
Ich denke bei mir ist die Bisexualität so entstanden. Dass dies bei allen der Fall ist denke ich nicht. Wäre spannend wenn sich jemand melden würde bei der / dem das anderst gelaufen ist.
Dass äussere Einflüsse eine Rolle spielen glaube ich sehr wohl. Die Einstellung der Eltern, Verwandten, etc. hat sicher einen Einfluss. (Bei mir speziell nicht da bei uns nicht über solche Sachen gesprochen wird)
Und ich glaube auch, dass man das irgendwie schon von Geburt an inn sich hat... Wieso ich das glaube weiss ich aber nicht xD

4

Mittwoch, 20. März 2013, 01:07

Gerne gebe ich hier meine persönliche Ansicht, wie Bisexualität entsteht von mir. Möchte aber betonen, dass es sich dabei nicht um eine allgemeingültige Theorie handelt, die ich versuche wiederzugeben, sondern um das was ich mir selbst aus meinen eigenen Erfahrungen und aus dem was ich bisher gehört und gelesen habe zusammengeschustert habe:

Ich persönlich glaube, dass man die Frage eher umgekehrt stellen sollte, nämlich, wie Bisexualität verhindert wird.

Laut Sigmund Freud sind wir bei unserer Geburt bisexuell, denn wir geniessen die seelische und körperliche Nähe von Vater und Mutter gleichermassen. Dass hier von Sexualität die Rede ist, ist relativ heikel, denn gemeint ist die frühkindliche Körperlichkeit, das heisst das unschuldige Lustempfinden eines Kindes, nicht eines Erwachsenen. Denn dieses ist noch nicht geschlechtlich ausgerichtet, das Kind selber hat ja in dieser Phase noch gar keine geschlechtliche Identität.

Es ist gerade die Identitätsfindung, die hier die ersten Ansätze zur Verleugnung der Bisexualität bringt. Definiert sich nämlich ein Kind als männlich oder weiblich, fängt es an, sich mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil, respektive den gleichgeschlechtlichen Menschen in seiner Umgebung zu identifizieren, oder versucht es zumindest. Widersprechen die Vorbilder jedoch dem inneren Empfinden, kann dies zu einem ersten Konflikt der eigenen Geschlechtsidentität führen. Etwa zu dem Gefühl und Gedanken, so möchte ich einmal ganz bestimmt nicht werden. Man sagt mir, ich sei als Junge oder als Mädchen geboren und würde einmal zum Mann, respektive zur Frau, aber das was ich da als solches wahrnehme, möchte ich nicht.

Dabei gehört es in unserer Gesellschaft dazu, dass mit der Geschlechtsidentität auch gleich die sexuelle Ausrichtung vermittelt wird, und die ist in den meisten Fällen heterosexuell. Ein Mann begehrt eine Frau, eine Frau begehrt einen Mann, und damit basta. In Konfessionen gebundene Erwachsene neigen darüber hinaus dazu, Sexualität an sich zu tabuisieren, und erst recht, dass ein Knabe die körperliche Nähe, Zärtlichkeit und Geborgenheit bei einem Mann suchen könnte, oder bei anderen Knaben, damit ist hier schon ein deutlicher Ansatz da, Bisexualität zu verschweigen und zu unterdrücken.

Bei Mädchen ist das weniger deutlich, denn Mamma ist zärtlich mit der kleinen Prinzessin und sie darf sich an sie kuscheln, sowie der gegengeschlechtliche kleine Prinz auch. Auch sind zwei Mädchen, die auf dem Schulhof Händchen halten, Arm in Arm gehen und sich beim Ausruhen aneinander kuscheln in den Augen der meisten, auch bei religiös prüden Menschen, nichts anderes als „herzig“. Sollten zwei Jungen dies aus einem echten Bedürfnis miteinander tun, kommt sehr bald die Bemerkung, das tue man doch nicht, ob man denn schwul sei. – Dies ist übrigens keine Theorie, das habe ich als etwa zehnjähriger durchaus selber erlebt.

Vielleicht ist dieser Unterschied in der Kindheit der Grund, dass es viel mehr Frauen gibt, die ihre Bisexualität als unproblematisch empfinden als Männer, und deshalb in Bi-Gesprächsgruppen und –Foren Frauen in der Minderzahl sind. Kommt noch dazu, dass es viele Heteromänner gibt, die den Anblick von zwei Frauen, die zärtlich miteinander sind, oder sogar Sexualität miteinander teilen, dies durchaus erotisch finden, weil sie neugierig sind, was denn Frauen miteinander so tun, was sie sich wirklich wünschen, sie sich einen Blick hinter die Kulissen der Weiblichkeit davon versprechen. Es melden sich in der Bi-Gruppe immer wieder heterosexuelle Männer, die Freude an einer bisexuellen Freundin hätten.

Ganz anders beim Anblick von zwei zärtlichen Männern. Erstens sind Männer nicht zärtlich, und schon gar nicht miteinander, denn normal ist, dass zwei Männer in Konkurrenz gehen zueinander, und ihre Kräfte aneinander messen, da ist kein Platz für Kuschelidyllen, höchstens noch für Ringkämpfe. Da wir Männer also schon in frühester Kindheit erleben, dass jedes zärtliche Gefühl, jede Sehnsucht nach körperlicher Nähe zu einem anderen Mann uns Ächtung und Verachtung einbringt, unterdrücken die meisten von uns solche Neigungen, das heisst die Bisexualität.

Im Extremfall entsteht daraus sogar eine Homophobie, das heisst die Darstellung oder Gegenwart männlicher gleichgeschlechtlicher Zärtlichkeit oder Körperlichkeit ruft sofort die Angst auf, ähnliche Gefühle bei sich zu entdecken und in den Bann der über allem Schwulen hängt zu geraten. Da schlägt Mann lieber einmal kräftig zu und beweist sich und seinen Heterokollegen seine unanfechtbare Männlichkeit.

Entdeckt ein jugendlicher Mensch in seiner Pubertät bei sich Gefühle oder Faszination dem gleichen Geschlecht gegenüber, gerät er in den meisten Fällen zuerst einmal in einen Gewissenskonflikt der entweder dazu führt, dass er sie unterdrückt oder sich früher oder später outet, wenn der Leidensdruck zu gross wird.

Laut Kinsey gibt es zwischen 100 % heterosexueller und 100% homosexueller Ausrichtung jede Schattierung, und zwar ziemlich gleichmässig für jeden Prozentsatz. Also müsste eigentlich ein 99 % heterosexueller Mensch sich bereits als bisexuell bezeichnen, weil ja 1 % homosexuelle Anziehung die Eindeutigkeit seiner Ausrichtung bereits in Frage stellt. Bisexualität müsste eigentlich in unserer Gesellschaft ein viel grösseres Thema sein als Homosexualiät, ist sie aber nicht, darum drehe ich die Frage um, nicht wie Bisexualität entsteht ist relevant, sondern wie sie unterdrückt und verschwiegen wird.

Ein weiteres Problem ist meiner Meinung nach die Sexualisierung in unserer (Un-)Kultur, und vor allem bei uns Männern fördert sie die Berührungsangst. Nicht nur die körperliche, sondern auch die seelische Nähe. Nähe ist jedoch das Gegenteil von Isolation, und Isolation ist in unserer heutigen westlichen Gesellschaft mit ihren Wohnsilos und Einfamilienhäuschenidyllen der Normalzustand. Das glückliche (hetrosexuelle) Paar wird in die Enge getrieben. Ausser ihrer (heterosexuellen) Nähe gibt es keine andere, auch keine seelische. Das Bedürfnis, sich auszutauschen ist vor allem unter Männern schon bereits anrüchig. So beschränken sie sich auf frauen- und schwulenfeindliche Zoten in Männerrunden, oder die Frauen in Oberflächlichkeiten beim Kaffeeklatsch und Tupperwareparties. Diese Unterdrückung des Bedürfnisses nach gleichgeschlechtlicher Nähe führt jedoch, je deutlicher der sogenannt bisexuelle Anteil der Psyche ist, zu einem Leidensdruck.

Dieser Leidensdruck kann dann zur Bewusstwerdung der eigenen bisexuellen Neigung führen. Entweder zum Bedürfnis nach intensivem Austausch mit gleichgeschlechtlichen Menschen im Gespräch und der emotionalen Nähe. Oft aber wird die Sexualität abgespalten und es entsteht eine Faszination der gleichgeschlechtlichen körperlichen Attribute. So ist zu beobachten, dass oft bei Männern das Geschlechtsteil oder der kräftige Körperbau anderer Männer zur Obsession wird, und sie glauben, sich nur für dieses, nicht aber für den ganzen Menschen zu interessieren. Diese Abspaltung ist fatal, denn sie reduziert die Begegnung ausschliesslich auf das Sexuelle, geht also am Eigentlichen vorbei, nämlich an der seelischen und emotionalen Wirklichkeit und reduziert die Bisexualität auf Sexualität.

Ob Bisexualität in das Bewusstsein eines Menschen kommt hängt einerseits davon ab, wie (prozentual) ausgeprägt diese Veranlagung ist, andererseits wie die Lebensumstände sind. Es kann durchaus vorkommen, und das war auch bei mir der Fall, dass das Erleben mit einem Partner, aber auch mit einer Partnerin dazu führte, mich jeweils wieder dem anderen Geschlecht zuzuwenden, so pendelte ich in jungen Jahren stets von einer Hetero- in eine Homo-Beziehung und wieder zurück, in der Illusion, dass die nächste Beziehung einfacher und befriedigender sein werde. Allerdings bezeichnete ich mich damals nicht als bisexuell, sondern war von dem was ich tat, und der Beziehung die ich gerade hatte, so überzeugt, dass ich mich jeweils als Hetero oder Schwuler bezeichnete. Erst heute habe ich begriffen, dass beide Seiten zu meinem Sein gehören und bezeichne mich als bisexuell.

Bisexualität ist bei mir also nicht entstanden, sondern ich habe sie zugelassen.

bi_urself

unregistriert

5

Donnerstag, 21. März 2013, 02:17

Laut Sigmund Freud sind wir bei unserer Geburt bisexuell, denn wir geniessen die seelische und körperliche Nähe von Vater und Mutter gleichermassen. Dass hier von Sexualität die Rede ist, ist relativ heikel, denn gemeint ist die frühkindliche Körperlichkeit, das heisst das unschuldige Lustempfinden eines Kindes, nicht eines Erwachsenen. Denn dieses ist noch nicht geschlechtlich ausgerichtet, das Kind selber hat ja in dieser Phase noch gar keine geschlechtliche Identität.
Ja, das fasst eigentlich sehr gut zusammen, wieso ich mich immer an der These stoße, dass man Bisexualität von Geburt an in sich tragen würde. Die Frage ist doch, ab wann man wirklich von Sexualität reden kann - und das ist sicherlich eine individuelle Sache.

Bei mir waren wahrscheinlich mehrere Faktoren ausschlaggebend, als ich die ersten "Tendenzen" mit Anfang 20 bei mir festgestellt habe. Zum einen war ich auch "Spätzünder", was Mädchen bzw. Frauen anging. Das heißt, ich habe in der Zeit, in der man als Jugendlicher "normalerweise" seine ersten sexuellen Erfahrungen macht, eigentlich gar nichts in der Richtung erlebt, ich war höchstens mal verliebt, was in der Regel aber immer einseitig war. Dazu kam noch mein damaliger, relativ intensiver Pornokonsum, bei dem ich allmählich feststellte, dass mich nicht nur die Frauen, sondern auch die Männerkörper- und Geschlechtsteile interessierten. Irgendwann kam noch der Gedanke hinzu, dass mir das, was die Frauen da so trieben, auch gefallen könnte. Anders als die, die schlechte Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht gemacht haben, habe ich keinerlei Erfahrungen sammeln können.

Außerdem war ich damals sehr schüchtern, zurückhaltend und hatte vielleicht auch ein Stück weit "Angst" oder zu großen Respekt vor Frauen, wobei das nur eine Vermutung ist und ich (wenn es denn so war) nicht weiß, woher diese Angst kam. Möglich, dass die relativ strenge Erziehung meiner Mutter da reingespielt hat, wobei die Erziehung meiner Eltern insgesamt doch ziemlich liberal ausgefallen ist.

Ich denke aber schon, dass das Ausbleiben der "normalen" sexuellen Erlebnisse mit dem anderen Geschlecht, gepaart mit dem, was ich da in den Filmen sah, mein Interesse für das gleiche Geschlecht zum Vorschein gebracht hat. Ob ich vielleicht unterbewusst dachte, dass es "sinnvoll" wäre, es mit dem gleichen Geschlecht versuchen zu müssen, wenn es mit dem anderen schon nicht klappte, kann ich nicht sagen. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich eigentlich gar keinen Gedanken an dieses Schubladendenken verschwendete. Soweit ich mich erinnere, habe ich mich nie gefragt, ob ich deswegen schwul oder bi sei.

6

Samstag, 23. März 2013, 15:18

Ich reime mir das für mich selbst ungefähr so zusammen:
1. Es gibt wohl eine Veranlagung. Woher die genau kommt, weiss ich nicht. Jedenfalls war es mir schon früh klar, dass mich auch Mädchen interessieren (noch ohne zu ahnen, was das wirklich bedeutet).

2. Als zweites sehe ich Einflüsse in der Umwelt. Ich lernte in meinem Umfeld Schwule und Lesben kennen, hatte eine Jugendliebe zu einem Jungen, der sich später als schwul outete, etc. und mir wurde auch vom Elternhaus nichts Negatives über Schwule und Lesben vermittelt. Das erlaubte es mir, Verschiedenes auszuprobieren (für kurze Zeit auch eine Dreieckskonstellation, was mich emotional komplett überforderte) und den Schritt in eine Frauenbeziehung ohne grössere Krise zu machen. Als ich mit einer Frau zusammen war, ging ich am Anfang voll in dieser Beziehung auf, betrachtete mich als lesbisch und hatte das Gefühl, endlich Ruhe gefunden zu haben. Umso irritierender war es für mich, als ich nach ein paar Jahren feststellte, dass ich mich eben trotzdem noch immer für Männer interessierte. Und das konnte ich mir fast nur damit erklären, dass es wahrscheinlich doch so etwas wie eine Grundtendenz gibt.

3. Drittens schreckte mich das von Peter oben beschriebene Einfamilienhaus-Paarmodell ab, und das hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich andere Formen ausprobieren wollte.

Vielleicht ist dieser Unterschied in der Kindheit der Grund, dass es viel mehr Frauen gibt, die ihre Bisexualität als unproblematisch empfinden als Männer
... viele Heteromänner gibt, die den Anblick von zwei Frauen, die zärtlich miteinander sind, oder sogar Sexualität miteinander teilen, dies durchaus erotisch finden
Dass es für Frauen einfacher ist, würde ich nur bedingt unterschreiben. Ich kann mir vorstellen, dass wir Frauen vielleicht andere Möglichkeiten haben uns auszutauchen (mit Freundinnen, Schwestern, etc.) und es deshalb vielleicht mehr Möglichkeiten gibt, das zu verarbeiten. Aber ein bi-Leben wirklich in die Tat umzusetzen, ist für Frauen ebenfalls schwierig. Ich bezweifle auch, dass Heteromänner wirklich so tolerant sind. Ich hatte zum Glück mit einer Ausnahme immer mit Männern zu tun, die schon einen Bezug zu Lesben und Schwulen hatten und deshalb keine Berühungsängste hatte. Als ich aber eine Beziehung zu einem Heteromann hatte, dem dieser Bezug fehlte, war er anfangs durchaus neugierig. Als ihm mit den Jahren dann aber bewusst wurde, dass ich früher mit einer Frau ZUSAMMENGELEBT und diese auch GELIEBT hatte und dass dies mit ihm rein gar nichts zu tun hatte, wurde er zunehmend intolerant und ich musste mich schliesslich von ihm trennen.

7

Sonntag, 10. November 2013, 19:11

Hi ihr Lieben
ich möchte es versuchen aus einer anderen Perspektive zu sehen. Vielleicht muss man erst verstehen, wie Homosexualität und Heterosexualität entstehen.
Udo Rauchfleisch in "Schwule Lesben Bisexuelle" geht dieser Frage nach, wo man sich nicht auf die Sexuellesphäre begrenz, aber die Persönlichkeit , Home oder Hetero, als ganzes betrachtet wird.

" Das Kind erlangt eine Identität , in der sich verschiedene Facetten der Persönlichkeit zu einer Ganzheit zusammenfügen und die dem Individuum trotz allem Veränderungen im Verlauf des Lebens das Gefühl einer Konstanz in Bezug auf die eigene Person vermittelt. Damit hängt eng eine zweite Aufgabe zusammen , nämlich die Abgrenzung der eigenen Person von anderen Menschen, mit dem Ziel Autonomie zu erlangen, die Fähigkeit selbständig entscheiden und handeln zu können.
Morgenthaler ist der Ansicht, dass je nach den lebensgeschichtlichen Erfahrungen, (das kind) entweder das streben nach Autonomie oder das Bedürfnis die Identität zu stärken, größer ist.

(kinder die) Besondere Stabilität in ihren Identitätsgefühl erlangt haben, Sie empfinden sich deutlich von anderen Menschen abgegrenzt, sogar in einer gewissen Polarität zu anderen stehend.

Demgegenüber gibt es andere Kinder die sich in erster Linie durch Ihre Autonomie, das heißt Unabhängigkeit im Denken, Fühlen und Handeln definieren. Sie erleben sich nicht primär dadurch als Individuum, dass sie sich in ihren Selbstbildern gegen die als „ganz anders“ erlebten Bezugspersonen absetzen, sondern spüren sich vor allem in den Moment, in denen sie sich als selbständig Entscheidende in Ihrer Welt erfahren.

Das spezifische in der Entwicklung des schwulen Mannes sieht Morgenthaler in der Betonung des Bedürfnisses nach Autonomie.

Die schwulen Männer sind Persönlichkeiten, die Ihre Sexualität in ein Selbstbild einordnen, in dem die innere und äußere Autonomie in erster Linie gewährleistet ist.
Demgegenüber sind die Heterosexuellen Persönlichkeiten, die in ihrem Selbstbild dem Identitätsbewusstsein und dem Identitätsgefühl Priorität einräumen. Sie orientieren sich nach polaren Gegensatzpaaren, um genau zu spüren und zu wissen, wer sie sind . Auch Homosexuelle haben das Bedürfnis zu spüren und zu wissen, wer sie sind, doch erst in zweiter Linie. Ihr Identitätsbewusstsein kann unscharf begrenzt sein, ohne dass sie dadurch verunsichert werden. Auch heterosexuelle besetzen ihre innere und äußere Autonomie, doch selten so weit, dass ihre Identität dadurch in Frage gestellt wird. Sie können sich gelassener in Abhängigkeit begeben, weil sie, in dieser Hinsicht, weniger konfliktanfällig sind als Homosexuelle. "

Wir als Bisexuelle dürfen zwischen diese zwei Polen schaukeln, jeder darf für sich überlegen , ob er/sie mehr Identitätsbewusst oder Autonome ist. Ob ein Gradient zwischen den zwei Extremen hinter der Kinsely Skala steht?

Luca